Dynamische Unfallversicherung
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Was ist eine dynamische Unfallversicherung?
In einer dynamischen privaten Unfallversicherung erhöhen sich die Beiträge und Leistungen des Versicherers in regelmäßigen Abständen automatisch. In der Regel steigt die Prämie durch die Dynamik jährlich um einen bestimmten Prozentwert. Auf diese Weise soll der inflationsbedingte Anstieg der allgemeinen Lebenshaltungskosten im Versicherungsfall ausgeglichen werden, um die Kaufkraft der Versicherungssumme langfristig sicherzustellen.
Der Prozentsatz der Dynamik ist entweder vertraglich festgeschrieben oder an den Beitragssatz zur gesetzlichen Rentenversicherung gekoppelt:
Mit den höheren Leistungen steigen auch die Beitragszahlungen. Die Vereinbarung einer Dynamik könnte deshalb höchstens bei langfristigen Versicherungen sinnvoll sein, da die Inflationsrate bei Verträgen mit kurzer Laufzeit keine wesentliche Rolle spielt.
Beispiel für die Erhöhung der Grundsumme in einem Dynamiktarif
Das folgende Beispiel zeigt die Steigerung der Versicherungssumme einer dynamischen Unfallversicherung mit einer Grundsumme von 100.000 Euro und einer jährlichen Dynamik in Höhe von fünf Prozent.
Bei einer jährlichen Dynamik von fünf Prozent wird die Versicherungssumme üblicherweise prozentual auf die jeweils zuletzt erhöhte Summe angepasst (Zinseszinseffekt). Damit ergibt sich nach zehn Dynamikerhöhungen folgende Grundsumme:
Zur Einordnung die Entwicklung Jahr für Jahr:
| Jahr | Versicherungssumme (gerundet) |
| 0 | 100.000 Euro |
| 1 | 105.000 Euro |
| 2 | 110.250 Euro |
| 3 | 115.763 Euro |
| 4 | 121.551 Euro |
| 5 | 127.628 Euro |
| 6 | 134.010 Euro |
| 7 | 140.710 Euro |
| 8 | 147.746 Euro |
| 9 | 155.133 Euro |
| 10 | 162.889 Euro |
Inflation in der Unfallversicherung
Als Inflation wird der Wertverlust des Geldes durch einen allgemeinen Preisanstieg für Waren und Dienstleistungen bezeichnet. Vereinbaren Sie mit Ihrer Versicherung eine bestimmte Versicherungssumme zu einem bestimmten Beitragssatz, verliert diese bei einer Inflation an Kaufkraft.
Dies wirkt sich besonders auf Geldanlagen aus, etwa bei der Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr (UBR). Mit diesem Modell der Unfallversicherung sind Sie nicht nur gegen finanzielle Unfallfolgen geschützt, sondern sparen gleichzeitig Kapital für die Zukunft an. Die UBR ist in der Regel mit langen Vertragslaufzeiten von 20 Jahren und mehr verbunden. Bei einer Versicherung ohne Dynamik bedeutet dies, dass das angesparte Kapital aufgrund der Inflation weniger wert ist.
Wann lohnt sich eine Dynamik in der Unfallversicherung?
Ob und wann eine Dynamik sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Eine dynamische Unfallversicherung richtet sich primär an Personen, die vorausschauend planen und ihren Versicherungsschutz dauerhaft vor einem inflationsbedingten Wertverlust bewahren möchten. Sie könnte etwa für Familien, die ihre Kinder umfassend absichern wollen, sowie für Berufstätige mit steigenden Lebenshaltungskosten eine Option sein.
Wann lohnt sich eine Dynamik nicht?
Nicht immer ist eine Dynamik sinnvoll. Stattdessen kann es ratsam sein, die im Falle einer unfallbedingten Invalidität benötigte Versicherungssumme bereits beim Vertragsabschluss realistisch zu kalkulieren. So kann von vornherein eine ausreichend hohe Versicherungssumme mit einer passenden Progression gewählt werden.
Auch kann der tatsächliche Absicherungsbedarf im Falle eines schweren Unfalls mit zunehmendem Alter fallabhängig abnehmen. Ein entsprechendes Szenario wäre beispielsweise, wenn Renten- und Versorgungsansprüche steigen und zusätzlich privates Vermögen aufgebaut wurde.
Anstelle einer Dynamik kann es dann hilfreich sein, den bestehenden Unfallschutz in regelmäßigen Abständen zu prüfen und anzupassen. Die Höhe des Unfallschutzes sollte im Falle einer Vollinvalidität hoch genug ausfallen, um die finanziellen Folgen abzufedern. Bei Bedarf lassen sich die versicherte Grundsumme oder die Höhe der Progression in vielen Versicherungstarifen anpassen.
Gut zu wissen: Begrenzter Schutz in der gesetzlichen Unfallversicherung
Die gesetzliche Unfallversicherung leistet finanzielle Hilfe bei Unfällen, die mit der Berufstätigkeit, der Ausbildungs- oder Diensttätigkeit in Zusammenhang stehen. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auf Arbeits- und Wegeunfälle sowie anerkannte Berufskrankheiten.
Erleiden Sie einen Unfall im privaten Bereich, greift der gesetzliche Unfallschutz nicht. Diese Lücke der gesetzlichen Absicherung schließt die private Unfallversicherung. Mit dem Abschluss einer privaten Unfallversicherung sind Sie tarifbedingt weltweit und rund um die Uhr gegen die finanziellen Folgen eines Unfalls während der Freizeit abgesichert. Als Versicherungsnehmerin oder Versicherungsnehmer wählen Sie im Idealfall einen Leistungsumfang, der im Ernstfall alle möglichen finanziellen Engpässe ausgleicht.
Alternativen zur Dynamik in der Unfallversicherung
Unfallversicherung mit Progression
Bei der Progression handelt es sich um einen Zusatzbaustein in der privaten Unfallversicherung, der die Versicherungsleistung im Fall schwerer, dauerhafter Gesundheitsschäden nach einem Unfall steigert. Ab einem Invaliditätsgrad von meist 26 Prozent steigen die Leistungen überproportional an und können ein Vielfaches der ursprünglich vereinbarten Grundsumme erreichen.
Ohne Progression erhalten Versicherte lediglich einen prozentualen Anteil der Deckungssumme, der dem Invaliditätsgrad entspricht. Bei einer Invalidität von 50 Prozent zahlt der Versicherer dann die Hälfte der vereinbarten Grundsumme. Mit vereinbarter Progression steigt dieser Auszahlungsbetrag entsprechend der Progressionstabelle des Versicherers.
Üblicherweise bieten die Versicherer Progressionsstufen von 225, 300, 350 oder 500 Prozent an. In welchem Umfang die Leistung tatsächlich erhöht wird, richtet sich nach dem Invaliditätsgrad. Der volle Progressionssatz wird für gewöhnlich ab einem hohen Invaliditätsgrad von 80 Prozent oder bei Vollinvalidität gewährt. Bei einem geringeren Grad fällt die Progression niedriger aus.
Beispiel für die Progression eines fiktiven Versicherungstarifs:
Im gezeigten Beispiel steigt die Invaliditätsleistung dank der Progression bereits bei einem Invaliditätsgrad von 50 Prozent auf die volle Höhe der Grundsumme. Diese Summe würde ohne eine entsprechende Progressionsvereinbarung nur bei einer Vollinvalidität ausgezahlt werden.
Dynamik temporär aussetzen
Für gewöhnlich haben Sie in der dynamischen Unfallversicherung ein Widerspruchsrecht: Enthält Ihr Vertrag eine Dynamik, werden Sie zum Ende des Versicherungsjahres von Ihrem Versicherer über die Beitragsanpassung informiert. Ist eine Anpassung nicht notwendig, können Sie dieser im Regelfall ein bis zwei Jahre hintereinander widersprechen.
In diesem Fall bleibt die Dynamik zwar in Ihrem Vertrag bestehen, setzt jedoch für ein bis zwei Jahre aus – Leistungsumfang und Beitragshöhe bleiben bestehen. Widersprechen Sie der Anpassung dreimal in Folge, entspricht dies im Regelfall einer Kündigung der Dynamik. Alternativ können Sie von vornherein auf eine Dynamik in Ihrer privaten Unfallversicherung verzichten.
Tarife mit anpassbarer Versicherungssumme
Bei den meisten Versicherungen haben Sie die Möglichkeit, die beim Vertragsabschluss gewählte Versicherungssumme innerhalb der Laufzeit zu ändern. Sollten sich Ihre Lebensumstände bedeutend wandeln, können Sie die Höhe der Summe an den neuen Bedarf anpassen. Die Leistungen und Beiträge ändern sich also nur dann, wenn es wirklich nötig ist. So verhindern Sie eine jährliche Anhebung der Prämien, die langfristig sehr kostenintensiv sein kann. Auch aus diesem Grund könnten Sie auf eine Dynamik verzichten und stattdessen regelmäßig prüfen, ob die Deckungssumme noch Ihren Bedürfnissen entspricht und diese gegebenenfalls anpassen.
Welche Art von Unfallversicherung für Sie persönlich sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal sagen. In jedem Fall ist es wichtig, dass Sie sich von vornherein für eine möglichst hohe Deckungssumme entscheiden. Am besten vergleichen Sie unterschiedliche Tarife und informieren sich vorab über mögliche Leistungen.