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Private Pflegezusatzversicherung Vergleich

Private Pflegezusatz Vergleich

Niemand möchte über Pflegebedürftigkeit und das Altern nachdenken. Den Abschluss einer privaten Pflegeversicherung schieben deswegen viele Menschen vor sich her. Dabei wird der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung zunehmend wichtiger, denn die gesetzliche Pflegeversicherung kann nur als Teilversicherung verstanden werden, die bei weitem nicht alle Kosten deckt. Die Versorgungslücke zwischen den realen Pflegekosten und der Deckung durch die Pflegeversicherung kann bei bis mehr als 2.000 € monatlich liegen. Eine Pflegezusatzversicherung dient dazu, diese Versorgungslücke zu stopfen – auch wenn Sie eine private Zusatzversicherung abschließen, bleiben Ihre Ansprüche bei der gesetzlichen Pflegeversicherung bestehen.


So funktioniert unser kostenloser Pflegezusatzversicherungs-Vergleich

Jede Pflegezusatzversicherung wird individuell auf Sie und Ihre Wünsche zugeschnitten. Auch können Sie zwischen mehreren Modellen wählen, so etwa der Pflegetagesgeldversicherung oder der Pflegekostenversicherung.

Es ist folglich kaum möglich, ad hoc einen idealen Tarif zu finden. Wir erstellen Ihnen deshalb kostenfrei und unverbindlich ein persönliches Angebot. Geben Sie dazu einfach Ihre Eckdaten in unsere Maske ein. Einer unserer Experten wird Sie zeitnah mit passenden Angeboten kontaktieren – in der Regel binnen eines Werktages.


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Welche Modelle gibt es?

Bei dem Abschluss einer privaten Pflegeversicherung haben Sie die Wahl zwischen mehreren Modellen. Bei all diesen Modellen bestehen gegebenenfalls lebenslang Leistungsansprüche. Expertenmeinungen gehen bis dato bezüglich der besten Modell-Option auseinander. Vielfach genutzt wird jedoch die Pflegetagesgeldversicherung.

1 Pflegetagesgeldversicherung

Sie ist die meistgenutzte Form der Pflegezusatzversicherung. Die oder der Versicherte erhält jeden Tag eine vorab festgelegte Summe zur Deckung der Pflegekosten. Der Betrag ist in der Regel nicht an bestimmte Verwendungszwecke gebunden.

2 Pflegekostenversicherung

Sie übernimmt die durch Ärzte nachgewiesenen Kosten bei Rechnungsvorlage – oft jedoch nicht in voller Höhe. Meist werden entweder die Kosten der gesetzlicher Pflegeleistungen um einen gewissen Prozentsatz aufgestockt oder bis zu einer gewissen Höhe übernommen. Auch wenn Pflegekosten erstattet werden, bedeutet dies bei einem stationären Aufenthalt nicht notwendigerweise Kostenübernahme für Verpflegung und Unterbringung. Bei Vertragsabschluss werden Leistungen genau festgelegt, die Kostenübernahme gilt nur dafür. Werden einzelne Leistungen aufgrund des Krankheitsbildes nicht genutzt, verfallen sie.

3 Pflegerentenversicherung

Abhängig von Pflegegrad und gewähltem Tarif erhalten Pflegebedürftige eine monatliche Rente, über die sie frei verfügen können. Sie können also frei entscheiden, ob das Geld für häusliche Pflege oder andere Dinge genutzt werden soll. Diese Police ist verhältnismäßig teurer als etwa die Pflegetagesgeldversicherung jedoch flexibler in der Auszahlung. Auch müssen die Beiträge in der Regel nicht weiter gezahlt werden, sobald der Leistungsfall eintritt.

4 Pflegerenten-Risikoversicherung

Sie ähnelt der Pflegerentenversicherung, auch hier wird eine vorab vereinbarte Rente ausgeschüttet, der volle Betrag wird allerdings erst ab Pflegegrad 4 gezahlt. Bei einzelnen Versicherern ist im Falle der Berufsunfähigkeit auch eine Beitragsbefreiung bei fortdauerndem Leistungsanspruch möglich.


Wie werden meine monatlichen Beträge berechnet?

Da es sich um eine private Pflegezusatzversicherung handelt, sind die Beiträge unabhängig von der Höhe Ihres Einkommens. Relevant für die Bestimmungen sind:

  • Das individuell gewählte Leistungspaket
  • Das Alter bei Versicherungsbeitritt: Viele Versicherungen haben Vorgaben bezüglich des minimalen und maximalen Eintrittsalters: Dieses beginnt häufig bei 30 Jahren und endet – je nach gewähltem Modell – bei zwischen 50 oder 75 Jahren
  • Der Gesundheitszustand bei Versicherungsbeitritt: Der Gesundheitszustand einer Antragstellerin oder eines Antragstellers wird in der Regel anhand eines Fragebogens erhoben – die Fragen variieren je nach Anbieter

Allgemein gilt: Je jünger und gesünder Sie sind, desto günstiger sind die Beiträge der Pflegezusatzversicherung. Auch für ältere Menschen gibt es empfehlenswerte Tarife, die im Ernstfall der Armut vorbeugen. Das Geschlecht darf seit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg seit dem 21. Dezember 2012 keinen Einfluss mehr auf die Tarifkalkulation haben. Denn das widerspricht laut EuGH der EU-Gleichstellungsrichtlinie. Vorab mussten Frauen aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung häufig höhere Beiträge entrichten als Männer.

Kein Geld für Pflegekosten?

Kinder haften für ihre Eltern!

Wenn eine pflegebedürftige Person nicht mehr für die Pflegekosten aufkommen kann, werden laut eines Urteils des Karlsruher Bundesgerichtshofs die Kinder zur Kasse gebeten, wenn deren Nettogehalt bei mindestens 1.400 € liegt. Das Oberlandesgericht Köln prüft derzeit zudem, ob Sozialämter geleistete Pflegeausgaben von den Nachkommen zurückfordern können, wenn diese zwar kein eigenes Einkommen, aber Vermögenswerte zurückgelegt haben und durch Ehepartner abgesichert sind. Die Überprüfung folgt auf einen Gerichtsbeschluss des BGH vom 29. April 2015 (Az. XII ZB 236/14). Nicht nur um selber in Würde zu altern, auch um den eigenen Nachwuchs zu schützen, ist eine Pflegezusatzversicherung also sehr sinnvoll.

Worauf Sie beim Abschluss einer Pflegezusatzversicherung achten sollten

Der Abschluss einer Pflegezusatzversicherung ist grundsätzlich empfehlenswert, doch die einzelnen Tarife unterscheiden sich in Qualität, Leistung und Preis. Es ist daher sinnvoll, verschiedene Optionen zu vergleichen und die Vertragspunkte genauer zu prüfen.

Auch sollten Sie sich vorher genau überlegen, welche Kriterien Ihnen persönlich wichtig sind und welche Betragshöhe von etwa Pflegezusatzrente oder Tagesgeld gegebenenfalls notwendig wären, um die Versorgungslücke zu decken.

Relevant bei einer Pflegezusatzversicherung sind folgende Vertragspunkte:

Auch wenn Angehörige die Pflege anstelle von ambulanten oder stationären Diensten übernehmen, sollte die Versicherung die vereinbarte Leistung nicht verweigern.
Wurde die Einstufung als Pflegefall seitens der gesetzlichen Pflegeversicherung oder privaten Pflegepflichtversicherung festgestellt, sollte die Pflegezusatzversicherung dies anerkennen, ohne eine weitere Gesundheitsprüfung zu fordern.
Je nach Tarif bieten einige Versicherungsunternehmen abhängig vom Pflegegrad und dem gewählten Versicherungsmodell eine Beitragsbefreiung an.
Auch Pflegebedürftige niedriger Pflegegrade benötigen oft eine kostspielige Betreuung. Bei Vertragsabschluss sollte dies bedacht werden.
Um Inflation und steigenden Pflegekosten entgegenzuwirken, kann ein bestimmter Zeitraum vereinbart werden, nach dem die Leistungen und auch der Versicherungsbeitrag um einen vereinbarten Prozentsatz steigen. Dies sollte möglich sein, ohne dass der Anbieter eine weitere Gesundheitsprüfung fordert.
Unter Karrenzeit versteht man die Verzögerung des Leistungsanspruchs im Leistungsfall. Die Karrenzeit darf nicht mit der Wartezeit verwechselt werden. Wurde beispielsweise eine Karrenzeit von sechs Monaten vereinbart, so beginnt der Leistungsanspruch erst sechs Monate, nachdem die Pflegebedürftigkeit attestiert wurde. Die Karrenzeit ist in der Pflegezusatzversicherung kein Standard, sollte aber unbedingt vermieden werden.
Bei vielen Versicherungen kann man binnen der ersten drei Jahre keine Leistungen in Anspruch nehmen. Einige Anbieter machen jedoch Ausnahmen, zum Beispiel wenn die Pflegebedürftigkeit durch einen Unfall hervorgerufen wird. Auch bei Pflegetagesgeld-Tarifen verzichten viele Anbieter auf eine Wartezeit.
Nicht selten muss bei eintretender Pflegebedürftigkeit die Wohnung oder das Haus an individuelle Pflegebedürfnisse angepasst werden. Manchmal ist auch der Umzug in eine barrierefreie Wohnung nötig. Vertragliche Vereinbarungen zu diesbezüglichen Sonderzahlungen sind also sinnvoll.

Statische und flexible Tarife im Vergleich

Bei vielen Anbietern haben Sie die Wahl zwischen statischen und flexiblen Tarifen

Statischer Tarif Flexibler Tarif
Beim statischen Modell wird für Pflegegrad 5 (tarifabhängig auch schon für Pflegegrad 4) eine bestimmte Leistung vereinbart. In den Graden darunter erhalten Versicherte einen vorab vereinbarten Prozentsatz dieser Leistung. Bei dem flexiblen Tarif können Leistungen für einzelne Pflegegrade entsprechend eigener Ansprüche individuell verhandelt werden. Sie sind nicht prozentual gestaffelt.
Beispiel Beispiel
Pflegegrad 5 1.500 € Pflegegrad 5 Vereinbarung von 1.500 €
Pflegegrad 4 75 % von 1.500 € = 1.125 € Pflegegrad 4 Vereinbarung von 1.500 €
Pflegegrad 3 50 % von 1.500 € = 750 € Pflegegrad 3 Vereinbarung von 1.200 €
Pflegegrad 2 25 % von 1.500 € = 375 € Pflegegrad 2 Vereinbarung von 450 €
Pflegegrad 1 10 % von 1.500 € = 150 € Pflegegrad 1 Vereinbarung von 450 €
Die meisten Pflegebedürftigen werden Pflegegrad 1 bis 3 zugeordnet. Um für diese Grade angemessen versorgt zu sein, muss beim statischen Tarif für Pflegegrad 5, vereinzelt für Pflegegrad 4, eine hohe Summe veranschlagt werden. Der monatliche Beitrag wird folglich sehr teuer. Die Wahl eines flexiblen Tarifs ist dementsprechend empfehlenswert.

Genaue Angaben bei der Gesundheitsprüfung

Vor Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung müssen Sie in der Regel einen Fragebogen zu Ihrer Gesundheit beantworten. Es empfiehlt sich, die Angaben sorgfältig zu überprüfen, denn sind diese nicht korrekt und vollständig, so kann die Versicherung die Leistung im Ernstfall verweigern – auch wenn die Pflegebedürftigkeit nichts mit einer falsch beantworteten Frage zu tun hat.

Die Fragebögen unterscheiden sich von Anbieter zu Anbieter. Einige Unternehmen fragen gezielt, ob bestimmte physische und psychische Krankheiten und / oder Vorfälle vorliegen oder in der Vergangenheit vorlagen. Andere Versicherungen fragen allgemein nach Krankenhausaufenthalten und Kuren, Krankheiten, Unfällen, Behandlungen und Untersuchungen vergangener Jahre.

Fehler in der Beantwortung der Fragen können sich schnell einschleichen, denn kaum jemand hat seine eigene Krankengeschichte lückenlos im Kopf und kann ad hoc einzelne Diagnosen im Fachjargon wiedergeben. Es empfiehlt sich, die Ärzte oder Kassen zu konsultieren, um herauszufinden, was genau in den eigenen Krankenakten vermerkt ist und sich gegebenenfalls beim Ausfüllen helfen zu lassen.

Fragebögen, bei denen es einzig die Antwortoptionen Ja oder Nein gibt, minimieren das Falschaussagenrisiko seitens des Antragsstellers. Bei seriösen Pflegezusatzversicherungen sind die Fragen eindeutig formuliert. Erscheinen Ihnen die Fragen eines Unternehmens nicht konkret oder fair, sollten Sie Ihrem Instinkt trauen, den Fragebogen nicht beantworten und sich nach einer anderen Versicherung umsehen.


Was sind Pflegegrade?

Anfang 2017 haben die neuen fünf Pflegegrade die bisherigen drei Pflegestufen abgelöst. Beim Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung können Sie angeben, ab welchem Pflegegrad Sie Versicherungsschutz in Anspruch nehmen möchten. Der Pflegegrad bezeichnet dabei, im welchem Umfang eine Person Hilfestellung benötigt. Das entsprechende Gutachten erstellt für gesetzlich Versicherte der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK), für privat Versicherte ist das Unternehmen MEDICPROOF zuständig.

Die Überführung von den Pflegestufen in die neuen fünf Pflegegrade erfolgt automatisch. Bereits versicherte Personen müssen demnach keinen neuen Antrag stellen, sondern werden von ihrer Pflegekasse über den neu zugeteilten Pflegegrad informiert. Bisherige Leistungsbezieher genießen außerdem Bestandsschutz. Durch die Einstufung in einen der neuen Pflegegrade werden Pflegebedürftige daher nicht schlechter gestellt, sondern erhalten mindestens dieselben Leistungen wie bisher.

Tabellarische Übersicht: Diesen Pflegegrad erhalten Menschen, die vorab einer Pflegestufe zugeordnet wurden

Bei Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen gilt die Regel "+1".
In Pflegestufen bis 2016 In Pflegegraden seit 2017
Pflegestufe I Pflegegrad 2
Pflegestufe II Pflegegrad 3
Pflegestufe III Pflegegrad 4
Pflegestufe III (Härtefall) Pflegegrad 5
Bei Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz gilt die Regel "+2".
In Pflegestufen bis 2016 In Pflegegraden seit 2017
Pflegestufe 0 Pflegegrad 2
Pflegestufe I Pflegegrad 3
Pflegestufe II Pflegegrad 4
Pflegestufe III Pflegegrad 5
Eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz liegt vor, wenn der Alltag aufgrund geistiger und psychischer Beeinträchtigungen nicht mehr eigenständig zu bewältigen ist.

Die Pflegegrade im Überblick

Mit der neuen Pflegereform 2017 wurde ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie ein neues Begutachtungsinstrument eingeführt. Fünf neue Pflegegrade ersetzen die bisherigen drei Pflegestufen. Aufgrund dieser Erneuerung erhalten alle Pflegebedürftigen erstmals gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen betroffen sind.

Mit der Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs erhalten Menschen erstmals bereits dann Unterstützung von der Pflegekasse, wenn ihre körperlichen oder geistigen Einschränkungen verhältnismäßig gering sind. Sie werden in den Pflegegrad 1 eingestuft.

Bisher wurde der alltägliche Hilfebedarf des Versicherten in Minutenwerten, auf der Grundlage von Zeitorientierungswerten, festgestellt. Zukünftig ist maßgebend, inwieweit jemand tägliche Anforderungen selbstständig bewältigen kann.

NBA: Sechs Kriterien, um den Grad der Selbstständigkeit zu ermitteln

Der Grad an Selbstständigkeit der Antragsstellerinnen und Antragssteller wird anhand des neuen Begutachtungsassessments (NBA) ermittelt. Es handelt sich um ein festgelegtes Punktesystem, deren sechs Kriterien sechs Lebensbereiche umfassen. Je geringer die Selbstständigkeit der oder des Hilfebedürftigen, desto mehr Punkte und einen umso höheren Pflegegrad erhält diese Person. Das sind die Kriterien des NBA:

  • Mobilität
  • kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  • Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  • Selbstversorgung
  • Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
  • Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

Pflegegrad 1

Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

Seit dem 1. Januar 2017 können Antragsstellerinnen und Antragssteller den ersten Pflegegrad beantragen. Mit diesem haben geringfügig Hilfsbedürftige erstmals Anspruch auf bestimmte Pflege- und Betreuungsleistungen. Insbesondere der Verbleib in der häuslichen Umgebung soll mit den Leistungen sichergestellt werden. Personen, die dem Pflegegrad 1 zugeordnet werden, haben in der Regel kein Anrecht auf Kurzzeitpflege, Pflegegeld oder Pflegesachleistungen.

Pflegegrad 2

Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Bei Pflegegrad 2 werden Personen ohne und Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz unterschieden. Zur Personengruppe ohne eingeschränkte Alltagskompetenz gehören Individuen mit eingeschränktem Bewegungsapparat oder Menschen, die unter den Folgen eines Schlaganfalls leiden; sie sind oft auf umfassende Hilfe bei den Alltagsverrichtungen angewiesen. Leistungen für Demenzerkrankte im Anfangsstadium zielen darauf ab, sie bei der Bewältigung des Alltags psychosozial zu unterstützen und sie dort zu integrieren.

Pflegegrad 3

Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Der Pflegegrad 3 umfasst Hilfsbedürftige mit und ohne eingeschränkte Alltagskompetenz: Liegen motorische Beeinträchtigungen vor, wird mehrmals täglich Unterstützung benötigt. Der Personengruppe mit eingeschränkter Alltagskompetenz werden vor allem Menschen mit Demenzerkrankung oder geistiger Behinderung zugeordnet. Hilfeleistungen umfassen beispielsweise psychosoziale Unterstützung und Ermutigung bei der Durchführung ihrer Grundpflege.

Pflegegrad 4

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten

Pflegegrad 4 werden meist Personen zugeordnet, die kognitiv eingeschränkt sind oder bewegungsunfähig sind. Dazu gehören beispielsweise Demenzerkrankte im fortgeschrittenen Stadium, die ihren Tag nicht mehr selbstständig strukturieren können und ständige Betreuung benötigen. Auch etwa Querschnittsgelähmte gehören dazu, da sie bei der Grundpflege umfassende Assistenz benötigen.

Pflegegrad 5

Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten mit besonderen Anforderungen für die pflegerische Versorgung

Der Pflegegrad 5 ist für Individuen gedacht, die sowohl in ihren kognitiven Fähigkeiten als auch in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt sind. Hilfeleistungen sollen die vollständige und dauerhafte Unterstützung bei der Grundpflege gewährleisten – tagsüber wie nachts.


Pflegegrade: Die wichtigsten Leistungen zusammengefasst

Leistungen, die allen Pflegebedürftigen zustehen, sprich Pflegegrad 1 bis 5

Erstmals erhalten alle Hilfsbedürftigen einen sogenannten Entlastungsbetrag in Höhe von 125 € pro Monat. Diese Geldleistung dient beispielsweise der Erstattung von Betreuungsangeboten oder der Entlastung pflegender Angehörigen.
Alle Versicherten erhalten monatlich 40 € für Pflegehilfsmittel wie Betteinlagen oder Einmalhandschuhe.
Pflegebedürftige haben Anspruch auf bis zu 4.000 € für den barrierefreien Umbau der Wohnung. Der Zuschuss gilt pro umbaurelevante Maßnahme.

Leistungen, die Pflegebedürftige ab Pflegegrad 2 erhalten

Ab dem Pflegegrad 2 erhalten Hilfsbedürftige Pflegegeld, insofern sie von Angehörigen in häuslicher Umgebung gepflegt und betreut werden. Die Höhe des Pflegegeldes ist abhängig vom jeweiligen Pflegegrad.
Pflegebedürftigen stehen bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege innerhalb eines Kalenderjahres zu. Sollte man also kurzzeitig auf vollstationäre Versorgung angewiesen sein, wie etwa im Anschluss eines Krankenhausaufenthalts, ist dies bis zu 56 Tage im Jahr möglich. Die notwendigen Aufwendungen werden bis zu einem Höchstbetrag von 1.612 € übernommen.
Sind pflegende Angehörige für einen gewissen Zeitraum verhindert, übernimmt eine Ersatzpflege für bis zu sechs Wochen im Jahr den Pflege- und Betreuungsdienst.
Bei einer ambulanten Pflege durch eine ausgebildete Pflegekraft haben die Pflegebedürftigen Anspruch auf sogenannte Pflegesachleistungen. Dazu zählen köperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Betreuungsmaßnahmen sowie Hilfe bei der Haushaltsführung. Die Pflegekassen übernehmen die entstehenden Kosten bis zur jeweiligen Maximalsumme der Sachleistungsansprüche des jeweiligen Pflegegrads. Beim Pflegegrad 2 beispielsweise beträgt die monatliche Maximalleistung 689 €, während sich die Maximalsumme beim Pflegegrad 3 bereits auf 1.298 € beläuft.
Seit 2017 gilt ein einrichtungseinheitlicher Eigenanteil der Versicherten in vollstationärer Pflege für die Pflegegrade 2 bis 5. Die Versicherten zahlen demnach ein und denselben Betrag, unabhängig davon, ob sie im Pflegegrad 2 oder 4 eingestuft sind. Pflegebedürftige sind bei einer Höherstufung somit keinen höheren Kosten ausgesetzt. Der monatliche Eigenanteil für ein Pflegeheim beträgt je nach Standort durchschnittlich 1.500 €.

Wieviel kostet die Pflege?

  • Die Pflegekosten unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Insbesondere bei der vollstationären Pflege, also bei der dauerhaften Betreuung in einem Pflegeheim gibt es große regionale Unterschiede. So kann ein Aufenthalt in einem Pflegeheim in Nordrhein-Westphalen monatlich um mehr als 2.000 € teurer sein als beispielsweise in Sachsen-Anhalt.
  • Die Pflegedienste berechnen einzelne Leistungen gesondert. So sind etwa die 'Zubereitung warmer Speisen' oder 'Hilfe bei der Nahrungsaufnahme' meist einzelne Posten, für die je nach Pflegedienst unterschiedlich hohe Kosten anfallen – zusätzlich zu der Hausbesuchspauschale oder Heimpauschale. Je nach Pflegebedarf und der Auswahl an regionalen Pflegediensten variieren so auch innerhalb einer Pflegegrades die Pflegekosten.
  • Die Betreuung durch Angehörige ist kostengünstiger als die Inanspruchnahme eines ambulanten Pflegedienstes oder die stationäre Pflege. Oft ist sie bei finanziellen Engpässen der einzige Ausweg. Doch nicht nur für die zu betreuende Person stellt dieses Abhängigkeitsverhältnis oft eine starke Belastung dar, auch Angehörige stehen unter dem Druck, Familie, Beruf und Pflege zu vereinbaren.

Tarifcheck.de-Tipp

Bei den Pflegediensten bestehen große Unterschiede bezüglich Qualität und Preis. Es ist sinnvoll, sich über Pflegedienste der eigenen Region zu informieren und Preise und Leistungen zu vergleichen.

Versorgungslücken in der sozialen Pflegeversicherung 2017

Trotz der Pflegereform reichen die Hilfeleistungen der sozialen Pflegeversicherungen nicht aus, um im Ernstfall alle Pflegekosten zu decken. Stiftung Warentest (www.test.de, Stand 10/2017) hat berechnet, wie hoch die Versorgungslücke zwischen Leistungen der sozialen Pflegeversicherung und den realen Kosten durchschnittlich ist.

Bei ambulanter Pflege ging test.de vom Einsatz professioneller Dienste aus. Die Werte wurden aus statischen Daten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung für gesetzlich Pflegeversicherte hergeleitet und gelten nur als Maßstab. Aufgrund des einheitlichen Eigenanteils in der vollstationären Pflege haben die Versicherten von Pflegegrad 2 bis 5 ein und denselben Betrag zu zahlen, insofern sie in derselben Einrichtung untergebracht sind. Schließlich variieren die Pflegekosten je nach Bundesland und Unterkunft. Während das durchschnittliche Heimentgelt in Sachsen-Anhalt etwa 2.600 € beträgt, liegen die Pflegeheimkosten in Nordrhein-Westfalen bei ungefähr 4.000 € im Monat.

Versorgungslücke pro Monat - ambulant Versorgungslücke pro Monat - stationär
Pflegegrad 1 125 € /
Pflegegrad 2 500 € 1.500 €
Pflegegrad 3 1.100 € 1.500 €
Pflegegrad 4 2.200 € 1.500 €
Pflegegrad 5 2.200 € 1.500 €
Quelle: Stiftung Warentest (Stand 10/2017)

Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und privaten Pflegepflichtversicherung 2017

Pflegegrad Geldleistung ambulant Sachleistung ambulant Entlastungsbetrag ambulant (zweckgebunden) Leistungsbetrag vollstationär
Pflegegrad 1 / / 125 € 125 €
Pflegegrad 2 316 € 689 € 125 € 770 €
Pflegegrad 3 545 € 1.298 € 125 € 1.262 €
Pflegegrad 4 728 € 1.612 € 125 € 1.775 €
Pflegegrad 5 901 € 1.995 € 125 € 2.005 €
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit (Stand 2017)

Die Pflegezusatzversicherung in Kombination mit anderen privaten Versicherungen

Auch wenn Sie bereits Verträge über eine Riester-Rente, Rürup-Rente oder eine private Rentenversicherung abgeschlossen haben, lohnt sich der Beitritt zu einer privaten Pflegeversicherung – denn schlimmstenfalls können die Beitragskosten für andere private Versicherungen im Falle der Pflegebedürftigkeit nicht mehr aufgebracht werden.

Sinnvoll ist in jedem Fall eine Berufsunfähigkeitsversicherung, um im chronischen Krankheitsfall die entsprechende Rente in Anspruch zu nehmen. Allerdings muss bedacht werden, dass die Berufsunfähigkeitsrente gegebenenfalls nur bis zum Eintritt ins Rentenalter gezahlt wird, die Pflegekosten müssen aber auch darüber hinaus monatlich erbracht werden.


Die Geschichte der Pflegeversicherung

Die gesetzliche Pflegeversicherung und die Pflegeversicherungspflicht wurden am 1. Januar 1995 als eigenständige Komponente der Sozialversicherung eingeführt. Der Hintergrund ist der demographische Wandel der Gesellschaft, also die Zunahme älterer Menschen bei gleichzeitiger Abnahme der Geburtszahlen. Dementsprechend steigt auch die Anzahl der pflegebedürftigen Menschen. Gleichzeitig gibt es in den Familien immer weniger Kinder, die diese Pflege dauerhaft übernehmen können. 2017 verzeichnete das Bundesministerium für Gesundheit mehr als 3 Millionen Menschen, die einem Pflegegrad zugeordnet worden sind – Tendenz steigend.

1995: Gesetzlich verordnete Pflegeversicherung

Gesetzlich und privat Krankenversicherte sind seit der Gesetzeseinführung 1995 automatisch Mitglieder der gesetzlichen Pflegeversicherung beziehungsweise der privaten Pflegepflichtversicherung.

2013: Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz

Am 4. Januar 2013 trat entsprechend des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes auch die Einführung der staatlich bezuschussten privaten Pflegezusatzversicherung Pflege-Bahr in Kraft. Wer privat Versorgungslücken schließt, sollte so vom Staat belohnt werden.

2015: Pflegestärkungsgesetz I

Seit dem 1. Januar 2015 gilt das Pflegestärkungsgesetz I, so wurden die Pflegeleistungen angehoben, die Zahl der Betreuungskräfte erhöht und ein Pflegevorsorgefonds geschaffen. Für die Finanzierung wurden die Beiträge für die Pflegeversicherung um 0,3 Prozentpunkte erhöht.

2017: Pflegestärkungsgesetz II

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz wurde ein neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff sowie ein neues Begutachtungsinstrument eingeführt. Auf dieser Grundlage erhalten ab 2017 alle Pflegebedürftigen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung, unabhängig davon, ob sie von körperlichen, geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen

betroffen sind. Insbesondere an Demenz erkrankte Menschen erfahren erstmals gleichberechtigte Berücksichtigung bei der Begutachtung ihrer Pflegebedürftigkeit.

Fünf Pflegegrade ersetzen die drei Pflegestufen. Diese Erneuerung soll sowohl individuelleren Pflege, andererseits stärkere Selbstständigkeit im Alltag der Hilfsbedürftigen gewährleisten. Mit dem neuen Pflegegrad 1 erfahren Pflegebedürftige deutlich frühe Unterstützung als bisher. Die Zahl der Leistungsberechtigen steigt und damit auch die Pflegekosten.

Zur Finanzierung der Pflegereform wurde der monatliche Beitrag der sozialen Pflegepflichtversicherung um 0,2 Prozentpunkte erhöht. Er stieg am 1. Januar 2017 von 2,35 % auf 2,55 % – 23-jährige Menschen ohne Kinder zahlen statt 2,6 % nun 2,8 % des Bruttoeinkommens. Der Arbeitgeber übernimmt von diesen Beträgen je die Hälfte. Nur in Sachsen zahlen Arbeitgeber weniger als die Hälfte des Betrags. Der Grund: Die anderen Bundesländer haben den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag abgeschafft, um die Pflegeversicherung zu finanzieren, in Sachsen ist der Tag weiterhin ein gesetzlicher Feiertag.

2017: Pflegestärkungsgesetz III

Das dritte Pflegestärkungsgesetz vertritt altersgerechtes Wohnen, sichergestellte Versorgung und stärkere Beratung Pflegebedürftiger sowie ihrer Angehörigen. Kontrollmöglichkeiten werden ausgebaut, um Pflegebetrug noch wirksamer zu verhindern. Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff hat jeder Recht auf Hilfe zur Pflege, so auch finanziell Bedürftige, dessen Bedarf zukünftig im Rahmen der Sozialhilfe und dem sozialen Entschädigungsrecht abgedeckt wird.


Chancen und Grenzen der neuen Pflegereform

Die wichtigsten Verbesserungen der Pflegestärkegesetze

Die wichtigsten Verbesserungen in der Pflege durch die Anfang 2017 in Kraft getretenen Pflegestärkungsgesetze II & III:

  • Durch die neue Definition der Pflegebedürftigkeit werden neben körperlichen auch geistige und seelische Beeinträchtigungen bei der Begutachtung gleichberechtigt berücksichtigt.
  • Die fünf neuen Pflegegrade ermöglichen eine genauere Einstufung der Pflegebedürftigen.
  • Für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5 gilt in jeder vollstationären Pflegeeinrichtung ein einrichtungseinheitlicher pflegebedingter Eigenanteil.
  • Für alle häuslich betreuten Pflegebedürftigen wurde das Pflegegeld erhöht.
  • Monatlich erhalten Leistungsbeziehende bis zu 40 € für Pflegehilfsmittel.
  • Die Zuschüsse für Umbauten sind höher als zuvor.
  • Für Hilfsmittel, die mittels Gutachten empfohlen wurden, sind keine Anträge mehr nötig.
  • Die Pflegesachleistungen sind höher als zuvor.
  • Die Tages- und Nachtpflege hat sich verbessert.
  • Pro Jahr besteht fallabhängig ein Anspruch für bis zu acht Wochen Kurzzeitpflege.
  • Zur Unterstützung im Alltag wird jeden Monat ein Entlastungsbeitrag von 125 € ausgeschüttet.
  • Pflegende Angehörige haben jedes Jahr Anspruch auf eine Auszeit von bis zu sechs Wochen.
  • Pflegende Angehörige haben Anspruch auf Lohnersatzleistungen.

Die Schwachstellen der Pflegestärkungsgesetze

Die Pflegereform erntet jedoch nicht nur Lob, sondern hat auch einige Schwachstellen. Im Folgenden werden die tabellarisch aufgeführten Nachteile näher beleuchtet.

Die Schwachstellen der PSG im Überblick

  • Pflegebedürftige des Pflegegrads 2 erhalten weniger Leistungen als zuvor.
  • Der einheitliche Einrichtungseigenanteil (EEE) ist für untere Pflegegrade nachteilig.
  • Es gibt weiterhin keine Lösung für den Mangel an Pflegepersonal.
  • Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz sind Maßnahmen gegen Betrug in der Pflege unzureichend.

Leistungsminderungen für Pflegebedürftige des Pflegegrads 2

Mit der Einführung des Pflegestärkungsgesetzes II haben sich die Leistungen im stationären Bereich für den Pflegegrad 2 verringert (ehemalige Pflegestufe 1). Pflegebedürftige Menschen, die bereits am 31. Dezember 2016 Leistungen bezogen haben, sind aufgrund des Bestandsschutzes nicht davon betroffen. Die Leistungen wurden um etwa 300 € gesenkt, sodass die vollstationäre Versorgung für viele Pflegebedürftige und Angehörige aus finanziellen Gründen oftmals keine Option ist.

Die ambulante Versorgung ist dabei oft nicht ausreichend. Betrug der Anteil der Pflegekassen in der Pflegestufe 1 bei vollstationärer Behandlung noch 1.064 €, umfasst er im Pflegegrad 2 nur noch 770 €. Pflegebedürftige des Pflegegrads 5 wiederum (vorher Pflegestufe 3 mit eingeschränkter Alltagskompetenz) erhalten statt 1.612 € nun 2.005 €.

Maßnahmen gegen Betrug in der Pflege nicht sind ausreichend

Das Pflegestärkungsgesetz III bleibt ebenfalls nicht von Kritik verschont: Es gebe beispielsweise noch keine Richtlinien, um Betrügerinnen und Betrügern wirksam zu entgegnen. Dazu müsse man die elektronische Abrechnung verbindlich vorschreiben und einheitliche Patientennummern einführen, kommentiert die Deutsche Stiftung Patientenschutz.

Einheitlicher Einrichtungseigenanteil: steigende Kosten für niedrige Pflegegrade

Durch den Anfang 2017 eingeführten einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) tragen alle Heimbewohnerinnen und Heimbewohner dieselben Kosten – unabhängig vom Pflegegrad. Der Eigenanteil wird für jede Einrichtung einzeln festgelegt und ist abhängig vom jeweiligen Bundesland sowie der Struktur der gesamten Bewohnerschaft eines Pflegeheims. Die zu zahlenden Beträge variieren also je nach Standort, Bundesland und Bewohnerschaft. Die Leistung der Pflegekasse ist gleichbleibend.

Die Kosten für Pflegebedürftige aus den niedrigen und hohen Pflegegraden klaffen demzufolge weit auseinander. Versicherte höherer Pflegegrade sparen im Vergleich zum alten System wesentlich, wobei die Kosten für untere Pflegegrade gestiegen sind. Laut der Deutschen Stiftung Patientenschutz zahlten Hilfsbedürftige der Pflegestufe 1 nach der alten Pflegereform einen Eigenanteil von etwa 470 €, wobei der heutige einheitliche Eigenanteil, abhängig von der jeweiligen Einrichtung, pro Monat etwa 100 € mehr beträgt. Pflegebedürftige des Pflegegrads 4 hingegen sparen im Vergleich zur ehemaligen Pflegestufe 3 etwa 300 € monatlich.

Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebedürftige Menschen nimmt an, dass zunehmend Personen mit hohen Pflegegraden sowie starken Beeinträchtigungen die Pflegeheime aufsuchen werden.

Keine Lösung für Mangel an Pflegepersonal

Auch steht nach wie vor nicht fest, wieviel Pflegepersonal für den hohen Pflegebedarf in Deutschland benötigt wird. Für die Berechnung des tatsächlichen Personalbedarfs innerhalb einer Pflegeeinrichtung soll laut Gesetz bis zum Jahre 2020 ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren ermittelt werden.

Die Ergreifung des Pflegeberufs ist für viele Menschen hierzulande wenig verlockend. Das liegt nicht nur an der Überforderung von vielen Angestellten, die für die Pflege der Individuen nicht ausreichend Zeit zur Verfügung haben. Aktuellen Medienberichten zufolge werden Personalvorgaben allein für eine ausreichende Versorgung in Zukunft aber nicht genügen. Vielmehr muss der Beruf besser gestaltet und angemessener entlohnt werden.


Anzahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland steigt

Seit 2016 ist die Zahl der Menschen, die Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung oder der privaten Pflege-Pflichtversicherung bezogen haben, stark gestiegen. Die Ursache des enormen Anstiegs ist die Einführung der neuen Pflegereform.

Seit dem 1. Januar 2017 erhalten zunehmend mehr Menschen Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Mit dem neuen Pflegegrad 1 haben geringfügig Hilfsbedürftige erstmals Anspruch auf bestimmte Pflege- und Betreuungsleistungen. Aber auch die fortlaufend alternde Gesellschaft spielt bei dem Zuwachs an Leistungsbezieherinnen und Leistungsbeziehern eine Rolle.

Laut Bundesgesundheitsministerium gab es am 30. Juni 2017 über eine halbe Million Menschen, die Anfang 2017 erstmals Leistungen aus der sozialen Pflegeversicherung bezogen haben. Mehr als 492 Tausend von ihnen werden zuhause versorgt, rund 85 % in den Pflegegraden 1 bis 3.

Menschen mit einem Pflegegrad

Anzahl der Leistungsbeziehenden der sozialen Pflegeversicherung oder privaten Pflege-Pflichtversicherung (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit):

  • 2016: 2.749.201 Menschen
  • Juli 2017: 3.103.839 Menschen

Aufgrund des seit 2017 durch das PSG II ausgeweiteten, anspruchsberechtigten Personenkreises und der Alterung der Gesellschaft rechnet man damit, dass 2020 3,5 Millionen Menschen in Deutschland pflegebedürftig sein werden, 2050 werden es nach Hochrechnungen sogar 5,32 Millionen Personen sein.


Sondermodell Pflege-Bahr

Die private Pflege-Bahr-Zusatzversicherung stellt in jeder Hinsicht einen Sonderfall dar und geht auf eine Initiative der Bundesregierung zurück: Die staatlich bezuschusste Versicherung sollte eigentlich Versorgungslücken der gesetzlichen Absicherung schließen, steht aber vielfach in der Kritik. Öko-Test beispielsweise urteilte 2015, Pflege-Bahr könne die finanziellen Lücken "in keiner Weise" schließen, gleichzeitig seien die Tarife zu teuer. Auch bieten nur wenige Versicherungen entsprechende Tarife an.

Das sind die Besonderheiten von Pflege-Bahr:

  • Die Versicherung wird gehaltsunabhängig mit 5 € pro Monat bezuschusst, wenn die Police einen Mindestbeitrag von 180 € pro Jahr hat und die Versicherung gewisse Kriterien erfüllt – die meisten privaten Pflegezusatzversicherungen entsprechen diesen Kriterien nicht.
  • Niemand Volljähriges darf ausgeschlossen werden, wenn Mitgliedschaft in der sozialen Pflegeversicherung oder privaten Pflegepflichtversicherung besteht und noch keine Pflegeversicherungsleistungen bezogen wurden oder werden.
  • Es gibt keine Risikoaufschläge und keinen Leistungsausschluss. Dies ist insbesondere für ältere Menschen von Vorteil, die aufgrund von Vorerkrankungen kaum Aussichten haben, in einer privaten Pflegezusatzversicherung aufgenommen zu werden.
  • Leistungsbezüge können erst nach fünf Jahren Wartezeit und Beitragszahlung in Anspruch genommen werden – eine Ausnahme besteht bei Unfällen, dann wird die Wartezeit ausgesetzt.
  • Besonderheiten zur Gesundheitsprüfung: Auch wenn Vorbelastungen wahrscheinlich sind, darf die Versicherung keine Gesundheitsprüfung verlangen, dafür besteht die fünfjährige Wartezeit. Nutzt man Pflege-Bahr mit einem Ergänzungstarif, werden Gesundheitsfragen gestellt, dafür wird aber oft auf die Wartezeit verzichtet.
  • Im Gegensatz zu anderen Policen kann im Leistungsfall keine Beitragsbefreiung vereinbart werden. Wurde der Pflege-Bahr in Kombination mit dem Ergänzungstarif abgeschlossen, so ist im Leistungsfall für diesen Ergänzungstarif eine Beitragsbefreiung möglich, der Pflege-Bahrbetrag jedoch läuft weiter.

FAQ zur Pflegezusatzversicherung

Der Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung ist generell eine Überlegung wert. Derzeit gibt es in Deutschland rund 2,57 Millionen Pflegebedürftige allein in der gesetzlichen Pflegeversicherung. Entsprechend Prognosen wird diese Anzahl in den nächsten 15 Jahren um eine weitere Million steigen. Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt dabei etwaige Pflegekosten nicht ab, sondern hinterlässt Versorgungslücken in der Höhe von bis zu mehr als 2.000 € monatlich. Die Pflegebedürftigkeit kann so leicht zur Armutsfalle werden, wenn keine private Vorsorge getroffen wurde.
Je eher Sie die Pflegezusatzversicherung abschließen, desto günstiger liegen die Beitragssätze. Viele Menschen schließen die Police im Alter zwischen 30 und 40 Jahren ab. Aber auch für ältere Versicherungsnehmerinnen und Versicherungsnehmer gibt es passende Tarife, die die Versorgungslücke der gesetzlichen Pflegeversicherung abdecken.
Die Pflegeversicherung kann nur als Teilversicherung verstanden werden. Je nach der Pflegegrad und den Pflegekosten besteht eine große Versorgungslücke im monatlich drei- oder vierstelligen Bereich. Eine private Pflegezusatzversicherung kann diese Versorgungslücken bei entsprechender Tarifwahl ausgleichen.
Nein, auf keinen Fall. Die Policen laufen problemlos nebeneinander her. Rechtlich ist dies auch gar nicht möglich. Bei der Pflegezusatzversicherung handelt es sich – wie der Name besagt – um eine ergänzende Versicherung. Sie soll helfen, die Diskrepanz zwischen realen Pflegekosten und den Beiträgen der gesetzlichen Pflegeversicherung zu decken.
Die Beiträge sind gehaltsunabhängig und werden bedingt durch Alter und Gesundheitszustand bei Versicherungsbeitritt. Je jünger und gesünder die oder der Versicherte zu Vertragsabschluss ist, desto günstiger ist der Beitrag. Auch für ältere Menschen gibt es lohnenswerte Tarife, die im Ernstfall vor der Armutsfalle schützen. Die Beitragshöhe hängt zusätzlich zudem von dem gewünschten Leistungspaket und dem gewählten Versicherungs-Modell ab.
Wenn Sie eine private Pflegezusatzversicherung abschließen, stehen Ihnen unterschiedliche Varianten zur Auswahl, bei allen besteht lebenslange Leistungsfälligkeit. Auch können Sie entscheiden, welche Leistungen Sie für die verschiedenen Pflegegrade veranschlagen möchten. Bei der vielfach genutzten Pflegetagesgeldversicherung wird täglich eine vorab vereinbarte Summe ausgezahlt, der Betrag ist nicht an bestimmte Verwendungszwecke gebunden. Bei der Pflegekostenversicherung übernimmt die Versicherung die Pflegekosten bei Rechnungsvorlage bis zu einer bestimmten Höhe – für was genau Leistungsanspruch besteht, wird vorab vereinbart. In der Pflegerentenversicherung wird Versicherten eine monatliche Rente gezahlt, über die frei verfügt werden kann. Die Pflegerenten-Risikoversicherung ist ähnlich der Pflegerentenversicherung, Leistungsanspruch besteht allerdings erst ab Pflegegrad 4.
Bei starren Tarifen wird für den Pflegegrad 5, vereinzelt für Pflegegrad 4, die Ausschüttung einer bestimmten Summe vereinbart. In den Pflegegraden darunter erhalten Sie lediglich einen, vom jeweiligen Tarif abhängigen, Prozentsatz dieser Summe. Empfehlenswert ist ein flexibler Tarif. Hier können die Leistungsbeträge für einzelne Pflegegrade individuell in gewünschter Höhe festgelegt werden. Bei einzelnen Versicherungsgesellschaften haben Sie die Möglichkeit, die Leistungen ambulanter und stationärer Pflege in den einzelnen Pflegegraden unterschiedlich zu gestalten.
Der Pflegegrad definiert, inwieweit Pflegebedürftige tägliche Anforderungen selbständig bewältigen können. Je geringer die Selbstständigkeit der Hilfsbedürftigen, umso einen höheren Pflegegrad erhalten diese Personen. Man unterscheidet die Pflegegrade 1 bis 5, wobei die Selbstständigkeit von Personen im Pflegegrad 5 am geringsten sind.
Gesetzlich Pflegeversicherte (SPV) wenden sich zur Einstufung an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Wer privat versichert und deswegen in einer privaten Pflegepflichtversicherung (PPV) ist, der richtet seinen Antrag auf ein Gutachten an Medicproof. Unabhängig von den Einstufungen von MDK und Medicproof haben Anbieter der privaten Pflegezusatzversicherung häufig eigene Kriterien. Je nach Tarif und Vertragsklauseln leisten sie manchmal bereits, wenn noch kein Pflegegrad festgestellt wurde.
Mit der Einführung der neuen Pflegereform 2017 erfahren an Demenz erkrankte Menschen erstmals gleichberechtigte Berücksichtigung bei der Begutachtung ihrer Pflegebedürftigkeit. Sie haben somit gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Um die Schwere von Demenz einschätzen zu können, wird von einigen Versicherungsunternehmen, von Pflegepersonal aber auch von Angehörigen die Reisbergskala genutzt. Sie ist hilfreich, um anhand nachvollziehbarer Kriterien den Schweregrad der Krankheit in sieben verschiedenen Stadien definieren zu können. Je nach erreichtem Stadium der Demenzerkrankung wird die Person in einen der fünf Pflegegrade eingestuft.
Ambulanter Pflegedienst und stationäre Einrichtungen sind sehr teuer, und viele Pflegebedürftige scheuen davor, das vertraute Zuhause aufzugeben. In manchen Fällen kann mit einem Umbau der Wohnung oder des Hauses der Umzug in eine stationäre Einrichtung umgangen werden. Die Pflege durch Angehörige ist aufgrund von deren beruflichen und familiären Verpflichtungen jedoch nicht immer möglich. Alternativen wären betreutes Wohnen, ambulant betreute Wohn-Gruppen, Renten-WGs oder eine Kombination aus Haushaltshilfe, Pflege durch Angehörige und/oder ambulante Pflegedienste. Je nach Pflegezusatzversicherungs-Tarif können Leistungen für die verschiedensten Varianten vereinbart werden. Wichtig sind die Vertragsklauseln etwa bezüglich Sonderleistungen für notwendige Umbauten in Wohnung oder Haus oder eines Leistungsanspruches auch bei Pflege durch Angehörige und nicht-geschultes Personal.
Wenn die pflegebedürftige Person nicht für die Pflegekosten aufkommen kann, müssen die Kinder die Pflege finanzieren, wenn sie mindestens 1.400 € netto verdienen. Das entschied der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bereits mehrfach. Diese Pflicht gilt auch für Kinder, die von ihren Eltern enterbt worden sind.
Es ist empfehlenswert, Angebote weiterer Versicherungsunternehmen auszuloten. Einzelne Anbieter scheinen entsprechend ihrer unterschiedlich gestalteten Fragebögen zum Gesundheitszustand auch unterschiedliche Aufnahmekriterien zu haben. Empfehlenswert ist allerdings die anonyme Anfrage über einen Makler, da Anträge durch ein Individuum beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) von Versicherungsunternehmen einsehbar sind. Je mehr Anträge von einer Person gestellt und abgelehnt worden sind, desto unwahrscheinlicher wird die Annahme durch eine andere Pflegezusatzversicherung.
Dies ist in vielen Fällen möglich. Die Pflegezusatzversicherungs-Beiträge können als Vorsorgeaufwendungen bis zu einer bestimmten Höhe als Steuerfreibeträge angegeben werden.
Nein. Da es sich um eine private Versicherung handelt, gilt die Versicherung in der Regel nur für eine Person. Wurde die Versicherung in Form einer Pflegerentenversicherung abgeschlossen und zu Lebzeiten nicht genutzt, erhalten die Angehörigen bei einigen Anbietern einen Teil der eingezahlten Summe ausgezahlt.
Das hängt von der individuellen Versicherungspolice ab. Je nach Tarif können für das Ausland Leistungsfälligkeiten vereinbart werden. Bei der gesetzlichen Pflegeversicherung ist der Leistungsanspruch im Ausland geringer.
Pflege-Bahr ist die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung: Erfüllt die Versicherung bestimmte Kriterien und liegen die Beträge bei mindestens 180 € jährlich, dann fördert der Staat diese Pflegezusatzversicherung einkommensunabhängig mit 5 € monatlich. Das Ziel ist, Versorgungslücken der gesetzlichen Absicherung zu schließen. Bis dato wurde die Umsetzung jedoch vielfach kritisiert, und die meisten Pflegezusatzversicherungen haben keine Tarife, die den Kriterien staatlicher Bezuschussung entsprechen. Ein Merkmal von Pflege-Bahr ist dabei, dass Antragstellerinnen und Antragsteller nicht aufgrund von Vorerkrankungen oder Alter abgewiesen werden dürfen.