Ein Meerschweinchengehege im Tierheim Lebensart

Die Meerschweinchen des Tierheims Einhorn e. V. warten auf ein Zuhause.

Engagement im Tierheim

von Kristina Vogt 09.12.2016

Fast 200 Tiere wohnen derzeit im Tierheim 'Einhorn e. V.'. Sie alle suchen ein Zuhause und werden von Ehrenamtlichen betreut. Welche Versicherungen braucht man für das Engagement, welche Voraussetzungen für die Tieradoption? Und wie versorgt man ein Fundtier? Wir sprachen mit Tierheim-Leiterin Karen Schönbrodt.

Momentan haben wir etwa 80 Katzen, 50 Vögel, 30 Kaninchen, 20 Meerschweinchen, fünf Hunde und vier Ratten, die von ungefähr 35 Ehrenamtlichen betreut werden, so Schönbrodt. Sie leitet den Einhorn e. V. – eine private Tierrechtsorganisation im Hamburger Umland. Der Verein hat es sich zum Ziel gesetzt, kein Tier abzulehnen, auch wenn es aufgrund von Krankheit, Alter oder Verhalten schwer oder gar nicht zu vermitteln ist. Keine Selbstverständlichkeit: Als ich vorher in anderen Tierheimen gearbeitet habe, habe ich miterlebt, dass da schon selektiert wird, kommentiert Schönbrodt.

Die meisten tierischen Bewohner des Einhorn e. V. haben schwere Zeiten hinter sich. In regelmäßigen Abständen gibt es Neuzugänge: Wenn Tiere ausgesetzt werden, weiß man die Gründe natürlich nicht. Im Vordergrund steht aber, dass das Tier den einstigen Haltern nichts wert war, sonst hätten sie sich ja die Mühe gemacht, etwas Neues zu suchen. Manche geben die Tiere aber auch direkt ab: Es kommt häufig vor, dass die Halter ins Seniorenstift kommen oder versterben und das niemand aus dem persönlichen Umfeld da ist, der die Tiere übernimmt.

Auch viele verletzte Vierbeiner und Vögel kommen über Tierärzte oder private Finder zum Einhorn e. V.. Woher die Tiere Stammen, ist laut der Tierheimleiterin oft unklar, primär ginge es dann darum, dem Tier die bestmögliche Behandlung zu bieten. Aber manchmal komme auch jede Hilfe zu spät, insbesondere wenn die Tiere in Verkehrsunfälle verwickelt wurden, wie gerade erst letzte Woche eine Katze.

Helfer und Hunde im Einhorn e. V.© Tarifcheck.de
Karen Schönbrodt mit Katze Sneakers.

Was man tun kann, wenn man ein Tier findet: Hilfestellung versus Eigenschutz

Wenn ein Tier verletzt ist, sollte es unbedingt immer zuallererst zum Tierarzt, erklärt Schönbrodt, was viele nicht wissen: Findet man ein verletztes Haustier und bringt es zum Tierarzt, muss die Kommune die Kosten dafür übernehmen. Diese Regelung gelte zwar nicht für Wildtiere, aber einige Tierärzte nähmen die Behandlung trotzdem umsonst vor, einfach weil sie Angst haben, dass sonst niemand mehr einem Wildtier helfen möchte.

Abhängig von Größe und Angstlevel des Tieres ist die Hilfestellung natürlich gar nicht so einfach: Eigenschutz oder Selbstschutz geht vor, das ist ganz klar, betont Schönbrodt. Vorbereiten könne man sich trotzdem: Es hilft, wenn man dicke Lederhandschuhe, eine Wolldecke, ein Handtuch oder einen Pappkarton im Auto hat. Aber bei einem Schäferhund hilft Dir auch eine Decke nicht weiter. Wenn der beißt, dann beißt der. Wenn es jedoch ein kleiner Hund, eine Katze, ein Vogel ist, kann man eine Menge ausrichten.

Die Expertin rät, kleine Tiere einfach locker in Handtuch oder Decke zu wickeln und die Enden dann zu verknoten, damit das Tier noch atmen könne. Auf diese Weise würde man vermeiden, dass die Tiere pieksen oder beißen. Auch helfe es, beruhigend auf die Tiere einzureden. Anschließend sollte man schnell zum nächsten Tierarzt oder ins Tierheim fahren. In größeren Ortschaften sei rund um die Uhr ein Tierarztnotdienst erreichbar, einige Tierheime beschäftigten eigene Tierärzte. Andere Organisationen könnten die dauerhafte Erreichbarkeit nicht gewährleisten: In so einer Situation steht man natürlich unter Strom, aber Ehrenamtliche können nicht 24 Stunden telefonisch erreichbar sein.

Bei Wildtieren immer den Fachmann konsultieren

Findet man ein verletztes Wildtier, sollte man sich stets an Fachleute wenden: Wenn Igel die falsche Nahrung erhielten, bekämen sie Durchfall, auch müssten sie meist entwurmt werden. Igelstationen böten Hilfestellung. Ich habe das Gefühl, dass es mit dem Klimawandel jeden Winter mehr desorientierte Igel gibt, so Schönbrodt.

In der kalten Jahreszeit würden auch besonders viele junge Tauben aufgefunden: Stadttauben, Ringeltauben oder Türkentauben, so Schönbrodt. Tauben müssten lange gefüttert werden, auch wenn sie schon voll durchgefedert seien: Wenn man das nicht weiß, verhungert das Tier.

Zudem bräuchten nicht alle Tiere Hilfe: Jedes Jahr erhalten Tierschutzvereine massenweise Feldhasenbabys. Das Problem ist, dass die Leute sie mit Kaninchen verwechseln und dann mitnehmen. Für Feldhasen ist es normal, alleine in der Sasse zu sitzen und die Mutter kommt nur ein, zwei Mal am Tag, erklärt Schönbrodt. Im Zweifelsfall soll man deshalb lieber beim Tierschutzverein anrufen und das Tier beschreiben oder auch selber Bilder von Hasen- und Kaninchenkindern googeln.

Tiere zu Adoptieren – bereits 3.000 Feder- und Fellwesen vermittelt

Neuzugänge im Einhorn e. V. werden vom Tierheim komplett durchgecheckt. Für kranke Fell- oder Federwesen gibt es eine Quarantäne-Station.

Vermittelt werden die meisten Tiere erst nach mehreren Wochen, wenn wir einschätzen können, wie sie ticken, ob sie für Familien geeignet sind, die Gesellschaft von Artgenossen brauchen oder Einzelgänger sind, kommentiert Schönbrodt, in den ersten Wochen sind die meistens noch so verstört, dass sie ihren Charakter gar nicht zeigen. Durch diese Vorgehensweise würde man verhindern, dass die Tiere wieder abgegeben würden, weil sie doch nicht das sind, was die neuen Besitzer erwartet haben.

Das Einhorn-Team trifft sich regelmäßig und diskutiert einzelne Fälle. In der Tierakte notiert werden Krankengeschichte, Vorlieben, Abneigungen, Eigenheiten und – soweit bekannt – auch die Biographie. Haben Gäste Interesse an einem bestimmten Tier, wird während zwei oder drei Besuchen im Einhorn e. V. entschieden, ob die Chemie stimmt.

Helfer und Hunde im Einhorn e. V.© Tarifcheck.de
Helferin Sandra mit Mischling Murphy (links) und Schäferhündin Nella.

Steht der Umzug eines Tiers fest, erhält es erneut einen kompletten Gesundheitscheck und wird bei Bedarf nachgeimpft. Fast 3.000 schnurrende, hoppelnde, fliegende und wedelnde Wesen hat der Einhorn e. V. in den letzten Jahren auf diese Art vermittelt, darunter auch solch exotische Tiere wie Schildkröten, Flusskrebse und ein kleines Schwein.

Engagement im Tierheim

Viele der 35 Ehrenamtlichen kommen mehrmals pro Woche, andere weniger häufig, schließlich sind die meisten berufstätig, haben familiäre Verpflichtungen und längere Anfahrtswege. Die Versorgung der Tiere ist aufwendiger, als es auf den ersten Blick scheint: Dazu gehören die Reinigung von Gehegen und Volieren, Gebäude-Instandhaltung, Umrüstung von bestehenden Behausungen für Neuzugänge, Gartenpflege, Buchhaltung, Betreuung der menschlichen Gäste und natürlich die Pflege und Fütterung der tierischen Vier- und Zweibeiner.

Hier kann man sich wirklich austoben, lacht Schönbrodt. Weitere Ehrenamtliche sind immer willkommen. Im Gegensatz zu manch anderen Organisationen genießen freiwillige Helfer beim Einhorn E. V. auch Versicherungsschutz. Anderswo müssen sich Ehrenamtliche zuweilen über Bausteine der Haftpflichtversicherung oder Hundehaftpflichtversicherung abdecken. Andernfalls werden sie persönlich zur Kasse gebeten, falls ein Heimtier unter der eigenen Obhut einen Schaden verursacht.

Hier ist jeder versichert, sagt Schönbrodt über den Einhorn e. V., aber an bestimmte Regeln muss man sich natürlich halten. Man darf Hunde beispielsweise nicht an fremde Menschen, Hunde oder Autos ranlassen, wenn man sie nicht einschätzen kann. Wer mit Hunden spazieren geht, muss von uns so ausgebildet sein, dass er die Situation im Griff hat.

Alle Helfer sind unfallversichert. Es kann nicht sein, dass sie noch finanzielle Schäden haben, falls hier auf dem Gelände beim Helfen was passieren sollte, sagt Schönbrodt.

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