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Zahnarztkosten senken: Sparen trotz Wunschbehandlung

Versicherung

Gesetzlich Krankenversicherte müssen für Zahnbehandlungen oft tief in die Tasche greifen. Selbst notwendige Maßnahmen werden oft nur anteilig übernommen. Sparen kann man trotzdem. Hier erfahren Sie wie.

1 Nutzen Sie das Bonusheft

Lassen Sie sich die halbjährlichen Kontrollbesuche in dem sogenannten Bonusheft bestätigen. Dadurch erhöht sich der Anteil Regelversorgung bei Zahnersatz, den die Kasse übernimmt. Als Zahnersatz definiert man Kronen, Prothesen und Brücken. Zahnfüllungen zählen nicht dazu; sie werden in der Regel komplett von den Krankenkassen gezahlt. Allerdings wird dabei oft weniger schönes, aber preiswertes Füllmaterial genutzt.

Gehen Sie alle sechs Monate zu Ihrem Kontrolltermin, übernimmt die Krankenkasse ab dem sechsten Jahr 60 % statt 50 % der Regelversorgungskosten für Zahnersatz. Ab dem elften Jahr erhalten Sie den Maximalzuschuss von 65 % erstattet. Aber Vorsicht: Schon nach einem einzigen versäumten Kontrolltermin gilt wieder der Regelsatz von 50 %. Mit der Bonuspunktesammlung muss man dann wieder ganz von vorne anfangen. Das Bonusheft erhalten Sie kostenlos in jeder Zahnarztpraxis. Waren Sie in den vergangenen Jahren regelmäßig zur Kontrolle, aber haben das Bonusheft nicht genutzt, haben Sie Anspruch auf eine nachträgliche Bestätigung der Termine.

Was ist die Regelversorgung bei Zahnbehandlungen?

Mit der Regelversorgung wird gesetzlich definiert, welche Arten von Zahnbehandlungen von den gesetzlichen Krankenkassen zu welchem Prozentsatz übernommen werden und wie teuer diese Behandlungen jeweils sind. Laut § 12 des Fünften Sozialgesetzbuches muss die Versorgung "ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein". Es besteht kein Anspruch auf teurere Behandlungen, nur weil sie optisch schöner aussehen.

2 Lassen Sie sich einen Heilplan erstellen

Zwischen den Preisen einzelner Zahnärzte gibt es gravierende Unterschiede: Vor Beginn einer Zahnbehandlung haben Sie deshalb Anspruch auf einen kostenlosen Heil- und Kostenplan. Haben Sie Zweifel an der Therapie oder deren Preisen, können Sie kostenfrei einen zweiten Arzt konsultieren. Dieser wird ebenfalls eine Zahnuntersuchung durchführen, Maßnahmen vorschlagen und einen Heilplan erstellen.

Haben Sie eine Zahnzusatzversicherung abgeschlossen, sollten Sie der Versicherung den Heilplan im Vorfeld vorlegen und sich die Kostenübernahme bestätigen lassen, damit gegebenenfalls Leistungsanspruch besteht.

3 Lassen Sie Rechnungen und Heilpläne kostenfrei prüfen

Ihre Krankenkasse beauftragt auf Ihren Wunsch hin einen Gutachter, der den Heilplan kostenlos prüft. Auch Verbraucherzentralen und die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPF) können einschätzen, ob Heilpläne und Rechnungen überteuert sind.

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Zahntechnische Labore haben unterschiedlich hohe Preise für die Herstellung von Schienen, Brücken oder Füllmaterial wie Keramik oder Kunststoff. Fragen Sie Ihre Krankenkasse nach günstigen Laboren und schlagen Sie Ihrem Zahnarzt bei Bedarf ein anderes Labor vor.

Was ist die private Gebührenordnung für Zahnärzte?

Die privatzahnärztliche Gebührenordnung (GÖZ) gibt es seit 2012. Demnach sind Kosten innerhalb der Regelversorgung genau festgelegt. Was Zahnärzte für Zusatzleistungen berechnen, steht ihnen jedoch frei. Deshalb kostet die professionelle Zahnreinigung bei manchen Ärzten 80 Euro, bei anderen 150 Euro. Bei aufwendigen Zusatzleistungen – zum Beispiel Implantaten – können Preisunterschiede im vierstelligen Bereich liegen.

4 Schließen Sie eine Zahnzusatzversicherung ab

Im Rahmen der Regelversorgung werden nur notwendige Maßnahmen anteilig übernommen. Optisch schöne Lösungen sind sekundär. Trotzdem liegen Eigenkosten oft im drei- oder vierstelligen Bereich. Eine Zahnzusatzversicherung übernimmt je nach Tarif den Eigenanteil der Regelversorgung oder auch Kosten für optisch schönere Behandlungen. Sollten Sie eine Zahnzusatzversicherung abschließen, haben Sie natürlich weiterhin Anspruch auf alle Leistungen Ihrer gesetzlichen Krankenkasse. Ein kostenloser Zahnzusatzversicherungsvergleich gibt Ihnen einen Überblick über verschiedene Optionen.

5 Bei geringem Verdienst volle Kostenübernahme der Zahnersatz-Regelversorgung

Geringverdiener haben Anspruch auf hundertprozentige Kostenübernahme von Zahnersatz (statt 50 % der Regelversorgung). Vorbedingung ist, dass man Grundversorgung, Hartz IV oder Bafög bezieht oder monatlich weniger als 1.190 Euro brutto verdient (Stand 2017). Durch die sogenannte "Härtefallregelung" kann man zudem einen Antrag auf die generelle Streichung der Eigenbeteiligung bei der Regelversorgung stellen. Liegt das Bruttoeinkommen nur geringfügig über 1.190 Euro, kann man eventuell höhere Krankenkassenzuschüsse beantragen.