Schimmel vermeiden© Karin & Uwe Annas - Fotolia.com

Manchmal ist Feuchtigkeit in schadhaftem Mauerwerk die Ursache für Schimmelbildung.

Schimmel in Haus & Wohnung: Wer haftet?

Versicherung

Schimmel in Haus und Wohnung gefährden die Gesundheit. Aber was kann man tun, um dem Pilz Einhalt zu gebieten? Gibt es unterschiedliche Arten von Schimmel? Und wer kommt für den Schaden auf?

Wie entsteht Schimmel?

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind die Hauptursachen Feuchtigkeit, Kondenswasser, falsches Lüften der Räume oder auch bauliche Mängel und mangelnde Instandhaltung von Gebäuden.

Welche Arten von Schimmel gibt es?

Laut Umweltbundesamt ist die Bezeichnung Schimmelpilz nur ein Oberbegriff für zahlreiche Pilze. In der Anfangsphase bilden die Pilze farblose Zellfäden oder Hyphen, die mit bloßem Auge noch nicht erkennbar sind. Erst durch die Produktion vieler Sporen wird Schimmel sichtbar.

Ist Schimmel immer gesundheitsschädigend?

Laut Umweltbundesamt (UBA) sind Schimmelpilze natürlicher Teil der Umwelt. Erst ab einer bestimmten Konzentration sind sie schädlich. Zu einer derartigen Konzentration kommt es, wenn in Wohnräumen längerfristig eine gewisse Mindestfeuchtigkeit vorhanden ist. Die negativen gesundheitlichen Auswirkungen von Schimmelpilzen im Haushalt und am Arbeitsplatz sind dabei wissenschaftlich nachgewiesen. Sie können laut WHO diverse Atemwegserkrankungen hervorrufen. Risikokandidaten sind Kinder, Senioren, Menschen mit Asthma, mit Allergien, Immunschwächen und anderen Atemwegserkrankungen.

Beim Verdacht auf Krankheiten durch Schimmelpilze helfen:

  • Hausärzte
  • umweltmedizinische Zentren
  • die Landes-Ärztekammern

Laut Umweltbundesamt kann Schimmel zudem allergische Reaktionen, Kopfschmerzen, Bindehautreizungen und / oder Müdigkeit hervorrufen. Allerdings könne man nicht eindeutig bestimmen, ab welchen Schimmelkonzentrationen welche Gesundheitsbeeinträchtigungen genau auftreten. Vermutet man, dass eigene Krankheiten mit Schimmelvorkommen zuhause oder am Arbeitsplatz zusammenhängen, rät das Umweltbundesamt zur Konsultation von Hausarzt, umweltmedizinischen Zentren und / oder Landes-Ärztekammer.

Auf welchen Materialien wächst Schimmel?

Schimmelpilze können beinahe überall wuchern. Nährstoffe finden sie beispielsweise auf Zement, Beton, Holz, Papier, Pappe, Gips, Leder, Teppichen oder Tapeten – aber auch auf Kunststoffen, Gummi, Silikon, Kleister, Kleber, Farben oder Lacken. Selbst auf Material wie Glas, das selbst keine Nährstoffe birgt, kann sich Schimmel bilden. Die Voraussetzung: In der Luft vorhandene, organische Partikel und Staub müssen sich auf das Glas gesetzt haben. Mit anderen Worten: Aus Dreck kann Schimmel werden. Abhängig von Materialfeuchte und Luftfeuchtigkeit wachsen einzelne Schimmelpilzarten auf den verschiedenen Materialien unterschiedlich schnell.

Die Wohnung riecht muffig, aber man sieht keinen Schimmel. Woran kann das liegen?

Schimmelpilze sind nicht sofort sichtbar. Manchmal entstehen sie auch an Orten, die schwer einsehbar sind. Bei lecken Wasser- und Abwasserrohren bildet sich Schimmel beispielsweise erst in der Wand, bevor er sie durchbricht sichtbar wird. Auch in Hohlräumen hinter Wänden, in den Tiefen von Schränken oder unter Möbeln kann sich Schimmel bilden. Das gilt insbesondere dann, wenn der Hausrat an einer Außenwand steht, die nicht optimal wärmegedämmt ist oder möglicherweise sogar Risse aufweist. In einigen Mietverträgen ist deshalb auch festgelegt, dass Möbel mindestens zehn Zentimeter Abstand zur Wand haben sollten.

Kann man messen, wie schädlich der Schimmelbefall im Haushalt ist?

Es gibt unterschiedlichste Verfahren zur Messung von Luftfeuchtigkeit und Schimmel in Luft, Räumen und auf Oberflächen. Man kann die Konzentration von Schimmel messen und dadurch etwaige gesundheitliche Risiken besser einschätzen. Durch derartige Tests kann man auch herausfinden, welche Maßnahmen zur Schimmelentfernung nötig sind, ob der Schimmel beispielsweise auch im Mauerwerk sitzt oder nur ein Oberflächenproblem ist.

Wie kann man Schimmel entfernen?

Welche Maßnahmen zu treffen sind, hängt vom Ausmaß des Schimmelbefalls ab. Ist man selbst mit der Situation überfordert oder unsicher, sollte man sich zeitnah an einen Fachmann wenden. Der betroffene Hausrat sollte entsorgt werden (Kleidung, Teppiche oder Polstermöbel). Bei Gegenständen aus Stein, Plastik oder Metall reicht in der Regel eine ausgiebige Reinigung. Führt man diese selbst durch, sollte man Einwegarbeitshandschuhe anziehen und eine Atemschutzmaske tragen, um unnötigen Kontakt zu vermeiden.

Unter Umständen muss auch die Bausubstanz ausgetauscht werden. Reinigt man beispielsweise befallende Wände von Schimmel und streicht oder tapeziert anschließend, ist das Schimmelproblem damit meist nicht behoben, da sich in den Wänden weiterhin Feuchtigkeit befindet.

Schimmelprävention durch richtiges Lüften© Wilm Ihlenfeld - Fotolia.com
Durch richtiges Lüften kann man das Schimmelrisiko mindern. Statt Fenster und Balkontüren auf Kipp zu stellen, sollte man sie zum Stoßlüften ganz öffnen.

Gibt es Beratungsstellen für Schimmel?

Das Umweltbundesamt rät, sich an die Verbraucherzentralen, umweltmedizinische Beratungsstellen und / oder das "Netzwerk Schimmelpilzberatung" zu wenden. Auch der Bundesverband Schimmelpilzsanierung e. V. gibt telefonisch kostenlos Hilfestellung. Man findet dort Informationen zu kundigem Fachpersonal, Beratern oder Schlichtern im Falle bautechnischer Konflikte.

Muss man für die Schimmelentfernung immer einen Fachmann beauftragen?

Das ist fallabhängig. Ist man sich nicht sicher, wie groß das Schimmelausmaß ist, sollte man sich in jedem Fall vom Fachmann über die Optionen beraten lassen. Eine telefonische Anfrage ist je nach Anlaufstelle oftmals kostenfrei.

Habe ich bei Schimmelbefall Anspruch auf eine Mietminderung?

Laut mietrechtslexikon.de gibt es dazu eine Reihe von Gerichtsverfahren. Anspruch auf eine Mietminderung bis zur Entfernung des Schimmels auf Vermieterkosten besteht, wenn man nachweisen kann, dass der Schimmel nicht als Folge von falschem Lüften oder Heizen entstanden ist – also nicht die eigene Schuld ist. Umgekehrt müssen Mieter die Kosten für die Beseitigung des Schimmels tragen, wenn er auf falsches Wohnverhalten zurückzuführen ist.

Welche Versicherungen kommen für Schimmelschäden auf?

Versicherungen kommen nur in seltenen Fällen für Schimmelschäden auf: Handelt es sich nachweislich um bauliche Fehler, kann unter Umständen die Betriebshaftpflichtversicherung des Bauherren zur Kasse gebeten werden. Entstand der Schimmel als Folgeschaden von Hochwasser- oder Leitungswasserschäden und wurde erst später sichtbar, sind mit den richtigen Zusatzbausteinen möglicherweise die Hausratversicherung und die Wohngebäudeversicherung zuständig. Hat man als Mieter, Vermieter oder Eigentümer mit Schimmelbefall in Immobilien zu kämpfen, kann eine Rechtschutzversicherung dabei helfen, eigene Interessen durchzusetzen.

So beugt man Schimmel vor

Raumtemperatur und richtiges Lüften sind das A und O zur Schimmelvermeidung: In dem man durch regelmäßiges Lüften im wahrsten Sinne des Wortes für frische Luft sorgt, vermeidet man die Konzentration von Schimmelsporen und die Bildung von Feuchtigkeit. Laut Umweltbundesamt ist es besser, die Fenster mehrmals täglich für fünf bis zehn Minuten ganz zu öffnen, als länger auf Kipp zu stellen. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Insbesondere im Winter kann man durch den Austausch von warmer mit kalter Luft die Luftfeuchtigkeit und Schimmelgefahr also wesentlich mindern.

Wichtige Maßnahmen zur Schimmel-Prävention:

  • regelmäßiges Stoßlüften.
  • Kondenswasser sofort aufwischen.
  • Bei längerer Abwesenheit Innentüren auflassen, um Zirkulation der Feuchtigkeit zu erleichtern.
  • Die Klimaanlage ist kein Ersatz fürs Lüften und sollte regelmäßig gereinigt werden.

Kondenswasser in Küche und Bad: Zur kalten Jahreszeit bildet sich an Fensterscheiben und Fensterkitt oft Kondenswasser. Dieses wischt man im Idealfall direkt trocken. Auch nach dem Duschen, Kochen oder Waschen sollte man Stoßlüften und bei Bedarf zusätzlich wischen. Badehandtücher und Badezimmerkacheln enthalten selbst nach dem Lüften noch Feuchtigkeit, deshalb sollte man die Türen zu anderen beheizten Räumen offenhalten.

Schlafzimmer: Da man beim Schlafen Wasserdampf abgibt, sollte auch das Schlafzimmer gut gelüftet werden, um der Bildung von Kondenswasser vorzubeugen. Kann man aufgrund einer Reise längere Zeit nicht lüften, sollte man die Innentüren zu verschiedenen Räumen offen lassen, um eine möglichst gleichmäßige Verteilung der Feuchtigkeit zu ermöglichen.

Klimaanlagen: Selbst wer eine Klimaanlage hat, sollte nicht auf das Öffnen der Fenster verzichten, da die Qualität der Luft aus der Klimaanlage nicht unbedingt die gleiche Qualität wie "normale" Außenluft hat. Wichtig ist zudem die regelmäßige Reinigung der Belüftungsanlage.

Luftentfeuchter helfen bei der Prävention und Nachsorge: Kleine und große strombetriebene Geräte erhält man im Baumarkt. Stromlose Alternativen binden Feuchtigkeit zum Beispiel in Kristallen und finden oft in Wohnwagen Anwendung. Bei beiden Varianten wird das Wasser in einem integrierten Becken gesammelt und muss entsorgt werden.

Quellen: www.who.int, www.umweltbundesamt.de, www.mietrechtslexikon.de