Reiseorte 2017© Juanamari Gonzalez - Fotolia.com
Lebensart

Spanien ist das das zweitbeliebteste Reiseziel der Deutschen: Das andalusische Tarifa bietet an klaren Tagen einen atemberaubenden Blick auf Afrika.

Wohin geht die Reise 2017? Strand, Berge & Erlebnisurlaub

Kuba, Kanada, Island & Co.

von Kristina Vogt 22.02.2017

Autourlaub oder Kreuzfahrt? Drehortbesuch oder Entspannung am Strand? Welches sind die beliebtesten Reiseländer? Merkt man auch in der Tourismusbranche einen Trump-Effekt? Und was versteht man eigentlich unter Erlebnisurlaub? Antworten gab es auf der Hamburger Reisemesse.

Urlaubsstimmung im winterlich-kalten Norden: Auf der Messe 'Reisen Hamburg 2017' sorgten 850 Aussteller aus 80 Ländern im Februar für Fernweh. Auf 72.000 Quadratmetern suchten Südseeurlauber, Camper, Backpacker und Wanderbegeisterte nach Inspiration für ihre nächste Reise. Das Fazit: Der Sommerurlaub gehört immer noch zu den absoluten Höhepunkten des Jahres.

Reisetrends: Deutschland und Spanien

Aber welches sind die beliebtesten Reiseländer der Menschen hierzulande? Laut Informationen der Reisemesse liegt Deutschland selber vorn, gefolgt von Spanien: 2016 hatten wir in Spanien 75,6 Millionen Touristen, das sind 10,6 % mehr als im Vorjahr. 11,3 Millionen Touristen kamen aus Deutschland, kommentiert auch Pilar Wolff-Olloqui vom Spanischen Fremdenverkehrsamt.

Spanienurlauber aus Deutschland zieht es insbesondere auf die Balearen, die Kanaren, nach Mallorca und Andalusien, sagt Wolff-Olloqui, viele, die ihren Jahresurlaub in Spanien verbringen und nur zwei Wochen bleiben, kommen mit dem Flugzeug. Darunter seien natürlich insbesondere die Besucher von spanischen Inseln wie der Balearen.

Beliebt bei Spanienurlaubern aus Deutschland:

  • Balearen
  • Mallorca
  • Kanarische Inseln
  • Andalusien
  • Touren durchs Landesinnere

Es gebe allerdings auch zunehmend Leute, die länger in Spanien verweilen und mit dem Auto anreisen würden: Das Hamburger Messepublikum ist sehr speziell, weil sie nicht mehr arbeiten, aber trotzdem jung und fit sind, die Zeit und das Geld haben, vier bis sechs Wochen nach Spanien zu reisen. Sie möchten dann auch durchs Landesinnere ziehen, Städte und Weinrouten kennenlernen.

Prognosen 2017: Kuba, Kanada und Island

Aber auch andere Länder liegen 2017 hoch im Kurs. Für das Jahr 2017 beobachtet Anita Horstmann, Leiterin des ADAC-Reisebüros in Hamburg bei Ihren Kunden neue Trends, ein besonderes Interesse an Kuba zum Beispiel: Die Menschen haben Angst davor, dass Kuba durch den Tod Fidel Castros amerikanisiert wird und seinen Charme verliert, erklärt sie, deshalb planten viele Menschen 2017 eine Reise in das sonnige Land. Kanada sei 2017 ebenfalls besonders beliebt. Der Grund: Anlässlich des hundertfünfzigjährigen Bestehens der Kanadischen Konföderation ist der Eintritt zu allen Nationalparks kostenfrei.

Moränensee Kanada© estivillml - Fotolia.com
Bei Wandertouren durch den kanadischen Banff-Nationalpark können Urlauber den Moränensee erkunden.

Die Erwartungen für Europa richteten sich insbesondere auch auf den Norden, so Horstmann: Island und Irland waren 2016 sehr begehrt. Dieser Trend wird sich 2017 wohl fortsetzen. Besonders beliebt bei Autourlaubern seien Norwegen, Schweden und der Gardasee in Italien. Wohnortabhängig hätten Menschen in Deutschland generell unterschiedliche Präferenzen: Die Hamburger sind kreuzfahrtaffin, Münchener fahren öfter in die Berge.

Andere Vorlieben haben die Kunden von Vivamundo-Reisen, ein Unternehmen, das sich auf maßgeschneiderte Urlaube in aller Welt spezialisiert hat. Südafrika boomt seit eineinhalb Jahren, weil es im Land politische Veränderungen gibt, der Rand gefallen ist und es deshalb dort sehr günstig ist, erklärt Managing Director Michaela Schiffer, überhaupt boomt das südliche Afrika. Asien läuft auch sehr gut.

Tendenzen: Darauf achten Urlauber 2017

Für viele Menschen aus Deutschland bedeutet Reisen Lebensqualität, glaubt Schiffer: Viele denken sich: 'Geld kann ich nicht mit ins Grab nehmen.' Die Zinsen auf Erspartes sind gering, deswegen möchte viele etwas Schönes mit dem Geld machen, solange sie noch können. Und dazu gehören eben auch spezielle Reisen und immer exotischere Reiseziele.

Generell achten Leute mehr auf Qualität als aufs Geld. Sie machen lieber alle zwei Jahre Urlaub und dann richtig, bestätigt auch Horstmann vom ADAC. Ein gutes Hotel und guter Service seien wichtig, beim Badeurlaub hat das Hotel eine höhere Priorität als der Reiseort, bei Kreuzfahrten ist die Route wichtiger als das Schiff. Die Beliebtheit von Cluburlaub und Studienreisen sei schon seit langer Zeit konstant, mache aber einen eher geringen Anteil des Reisemarkts aus.

Im Gegensatz zu früheren Jahren buchen Leute ihren Urlaub jedoch mit mehr Vorlaufzeit: Last-Minute-Reisen nehmen ab. Die Online-Buchungen erfolgen etwa drei Monate im Voraus, die Buchungen in Reisebüros sogar sechs bis acht Monate vor dem Urlaub. Online-Buchungen liegen knapp vorne, nehmen aber wieder ab, kommentiert Horstmann.

Und noch etwas ist anders: Soziale Medien spielen bei der Buchung von Reisen eine immer größere Rolle, so die Erfahrung von Michaela Schiffer. In den sechs Jahren seit der Gründung ihres Reiseunternehmens kommunizieren sie und ihre Mitarbeiter verlockende Angebote zunehmend auch auf Twitter und Co – zusätzlich zu der direkten Beratung im Büro, auf Messen und dem Webseitenangebot. Ein allgemeiner Trend sei auch, dass die Urlauber immer mehr besondere Reiseerlebnisse in sozialen Medien posten, so Schiffer.

Nachhaltiger Urlaub im Kommen

Nachhaltiger Urlaub wird immer wichtiger, sagt Horstmann vom ADAC. Viele Kunden würden sich inzwischen informieren, wie umweltfreundlich ihre Reisen und das Reiseverhalten seien. Eine höhere Priorität habe allerdings immer noch der Kostenfaktor: Die Entscheidung fällt nach Preis.

Die umweltfreundliche Anreise und die Wahl der Verkehrsmittel hänge auch mit dem Reiseziel und dem persönlichen Zeitfenster zusammen, erklärt Wolff-Olloqui. Spanienurlauber aus Frankreich hätten kürzere Anfahrtswege und seien oft bei Kurztrips nicht aufs Flugzeug angewiesen: Bei Gästen aus Frankreich ist deswegen das nördlich gelegenen Baskenland sehr beliebt.

Beliebte Urlaubsziele 2017

Europa

  • Spanien
  • Island
  • Irland
  • Italien
  • Skandinavien

Andere Erdteile

  • Kuba
  • Kanada
  • Südafrika
  • asiatische Länder
  • das südliche Afrika

Aber nicht nur Urlauber, auch die Tourismusbranche setzt auf Nachhaltigkeit. 2017 wurde von den Vereinten Nationen zum 'Internationalen Jahr des nachhaltigen Tourismus' deklariert. Aber das ist nicht die Hauptmotivation vieler Reiseveranstalter: Es ist ein wichtiges Thema, das A und O für die Zukunft, kommentiert Wolff-Olloqui, wir freuen uns über die vielen Besucher, möchten aber auch unsere Umwelt schonen.

Verlagerung der Reiseziele

In der letzten Zeit hat sich nicht nur bezüglich der Urlaubsplanung, sondern auch bei den bevorzugten Reisezielen viel getan. Einst beliebte Urlaubsziele werden heute kaum noch gebucht. Laut Meinung vieler Reiseveranstalter ist die Ursache ein gewisses Sicherheitsbedürfnis. Politische Konflikte an anderen Orten schrecken potentielle Touristen ab. Auf das Reisen verzichten wollen sie jedoch keinesfalls. Wolff-Olloqui vom spanischen Fremdenverkehrt erklärt, Spanien stelle sich darauf ein, in diesem Jahr noch mehr Touristen zu beherbergen als im Vorjahr: Türkei und Tunesien haben sich nicht erholt, viele Urlauber kommen deshalb nach Spanien.

Die Affinität zu Deutschland als Reiseziel könnte man womöglich ebenfalls auf dieses Sicherheitsbedürfnis zurückführen: Auch im Inland machen Leute vermehrt Urlaub, dann aber in Ferienwohnungen oder Autourlaub, so Horstmann von ADAC Reisen. Badeurlaub und Pauschalreisen erfreuten sich allerdings weiterhin gleichbleibender Beliebtheit, auch Kreuzfahrten sind krisensicher.

Auf politische Konflikte und Unsicherheit reagierten Urlauber sehr sensibel, bestätigt Schiffer von Vivamundo-Reisen, Nordafrika läuft derzeit nicht besonders gut, von den islamischen Ländern ist Oman eines der wenigen, für das sich Reisende aus Deutschland derzeit interessieren. Und noch vor drei Jahren sei Südafrika aufgrund der Thematisierung von Ebola in den Medien gemieden worden, obwohl Südafrika vom Ebolaherd bezogen auf die Kilometer weiter weg war als Deutschland.

Oldtimer in Kuba© GVictoria - Fotolia.com
Viele Urlauber zieht es im Jahr 2017 ins sonnige Kuba.

"Trump-Effekt", Brexit & Rosamunde Pilcher

Die umstrittene US-Politik war auch ein Thema unter den Messebesuchern: Wir haben schon bemerkt, dass Leute zweifeln, aber gebucht wird trotzdem noch, kommentiert Horstmann. Schiffer erklärt: Wir warten noch auf den Trump-Effekt. Bisher haben wir noch keine Auswirkungen gemerkt, aber es wird hier am Stand dauernd thematisiert.

Der Brexit ist für Schiffers Kunden ebenfalls kein Kriterium: Unter unseren Reisezielen sind auch ehemalige britische Kolonien wie Sri Lanka. Die sind weiterhin sehr beliebt. Anders scheint es bei Reisenden zu sein, die direkt in England Urlaub machen: Der Brexit wird schleichende Auswirkungen haben, prognostiziert Horstmann, Großbritannien wird weniger oft gebucht und befindet sich momentan in der Warteschleife.

Irland und Schottland seien davon allerdings nicht betroffen. Allerdings werde Schottland in letzter Zeit generell weniger oft gebucht: Schottland ist Rosamunde Pilcher-Land. Viele unserer Kunden sind auf den Spuren von Rosamunde Pilcher. Insbesondere als die Filme vor ein paar Jahren im öffentlich rechtlichen Fernsehen liefen, gab es viele Anfragen, erklärt Horstmann.

Was ist eigentlich Erlebnisurlaub?

Schiffer hat sich mit Vivamundo auf Erlebnisurlaub spezialisiert, ihre Definition: Im Vordergrund stehen die Auseinandersetzung mit dem Reiseland, intensive Reiseerlebnisse, das Kennenlernen der Kultur und Einheimischen. Auch Naturerlebnisse spielen eine große Rolle. Schiffer und ihr Team bieten deshalb Individualreisen für ein bis zwölf Teilnehmer an. Mit Kooperationspartnern vor Ort schneiden sie die Reisen genau auf die Wünsche der Kunden zu: Wenn jemand zum Beispiel sagt, ich interessiere mich für Buddhismus in Sri Lanka, dann berücksichtigen wir das bei der Planung.

Kriterien für den Sommerurlaub:

  • Qualität
  • Kosten
  • Nachhaltigkeit
  • besondere Erlebnisse
  • soziale Medien als wichtige Informationsquellen

Teil der Beratung und des Rundum-Reisepakets sind natürlich auch Informationen zu potentiell notwendigen Visa oder Impfungen. Auch sei das Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, Kunden über Reiserücktritts- und Auslandskrankenversicherungen aufzuklären. Manchmal seien derartige Absicherungen auch Bestandteil von Kreditkarten. Davon ausgehen könne man jedoch nicht.

Die Vivmundo-Kunden stammen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz; die Kosten der Erlebnisreisen liegen im mittleren bis gehobenen Preissegment, so Schiffer.

Man muss unterscheiden zwischen dem klassischen Backpacker, der dann vielleicht über Lonely Planet bucht und alles selbst macht und anderen Reisenden, die die Organisation durch ein Reiseunternehmen wünschen, weil ihnen dafür auch die Zeit und Muße fehlen.

Erlebnisurlaub hat viele Gesichter, das spüren auch andere Branchen. Wolff-Olloqui vom Spanischen Fremdenverkehrsamt zum Beispiel: Neben Strand und Sonne ist auch zunehmend Erlebnisurlaub gefragt, kommentiert sie. Viele Gäste möchten die spanische Lebensart, Kultur und Gastronomie kennenlernen. Dazu gehöre nicht nur die Verköstigung in Gaststätten, sondern auch die die Reise durchs Land, die Erkundung von Weinrouten oder Exkursionen zu Produktionsstätten von Olivenöl.

Doch egal ob Kreuzfahrt, Strandurlaub oder Erlebnisreise: Es scheint, dass viele Menschen hierzulande allen Grund zu Vorfreude haben.

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