Bagira sucht ein Zuhause.© Tarifcheck.de
Lebensart

Labradormischling Bagira wohnt im Tierheim Einhorn e.V. und sucht ein Zuhause. Sie wurde mit Bissstellen am Hals gefunden, ist Hunden gegenüber misstrauisch, aber sehr menschenlieb. Sie lernte erst in der Tierherberge, wie man spielt und braucht jemanden mit viel Geduld und Erfahrung.

So beruhigt man Hunde an Silvester

Jahreswechsel 2017/2018: Feuerwerk, Böller & Co.

von Kristina Vogt 23.12.2017

Raketen, Böller, Feuerwerk: Für empfindliche Tierohren ist Silvesterlärm oft eine Tortur. Tierheim-Leiterin Karen Schönbrodt erklärt, wie man dem Haustier die Angst nimmt.

Karen Schönbrodt hat Erfahrung mit eingeschüchterten Tieren. Viele der Vierbeiner und Vögel, die bei der Reinbeker Tierrechtsorganisation Einhorn e. V. abgegeben werden, sind misstrauisch: Es ist wichtig, dass man sich bei Lärm ganz normal verhält, so tut, als ob nichts wäre und dem Tier zu verstehen gibt, dass es keine Angst haben muss, betont Schönbrodt. Das sei ein Lernprozess für das Tier, mit dem man möglichst früh anfangen solle.

Der Mensch als Vorbild: Das Tier nicht bemitleiden und keine Angst zeigen

Streichelt und beruhigt man seinen Hund, wenn er bei Krach verschreckt reagiert, bestätigt man ihn in seiner Angst: Wenn man Mitleid zeigt, beruhigend sagt: 'Es ist gut!', dann versteht der Hund nicht, das alles in Ordnung ist, sondern: 'Ja, es ist gut, dass Du Angst hast. Das ist eine gefährliche Situation!'

Es hat etwas gedauert, bis ich selbst das kapiert habe, erklärt Schönbrodt, früher habe ich mich auch aufgeregt. Drinnen hatte ich herzkranke und epileptische Tiere und draußen ballern sie rum und finden das auch noch witzig. Aber die eigene Empörung und Angst um die Tiere überträgt sich natürlich und macht alles nur noch schlimmer.

Helfer und Hunde im Einhorn e. V.© Tarifcheck.de
Tierheimleiterin Karen Schönbrodt mit Katze Sneakers in der Tierherberge.

Gewöhnungsprozess: Gelassenheit kann man trainieren

Junge Hunde und Katzen sollte man schon frühzeitig trainieren: Zum Beispiel dadurch, dass man zuhause zu verschiedenen Tageszeiten laute Geräusche macht und sich dabei ganz normal benimmt. Dadurch würden die Haustiere Lärm nicht mit Gefahr assoziieren, rät die Tierheim-Leiterin. Da die Silvesterknallerei schon in der Weihnachtszeit beginne, könne man Hunde und andere Haustiere bereits im Vorfeld durch entspanntes Verhalten auf die Silvesternacht vorbereiten.

Auch wenn die vierbeinigen Familienmitglieder schon älter sind oder in der Vergangenheit Geräuschempfindlichkeit gezeigt haben, kann man die Situation durch normales Verhalten deeskalieren. Als Beispiel nennt Schönbrodt Hundemischling Leo, einen Bewohner des Tierheims: Beim Gassigehen ist in großer Entfernung ein Böller losgegangen, Leo wollte sofort nach Hause. Aber wir gehen dann weiter. Da wird dann auch gar nicht diskutiert, denn es ist ja nichts gewesen. Es gibt keinen Grund, nach Hause zu gehen.

"Seitdem ich selbst kein Mitleid und keine Nervosität mehr zeige, ist das Verhalten der Tiere auch viel entspannter geworden", kommentiert die Expertin.

Gerät ein Tier in Panik und verursacht einen Schaden, haften Halter dafür mit dem gesamten eigenen Vermögen. Reißt sich der Vierbeiner beispielsweise von der Leine los und rennt vor ein Auto, wird im Idealfall niemand verletzt. Der Sachschaden kann die eigenen Mittel jedoch schnell übersteigen. Für Hunde sollte man deshalb eine Hundehaftpflichtversicherung abschließen – in einigen Kommunen ist sie für alle oder einige Hunderassen sogar gesetzlich vorgeschrieben. Katzen und ähnliche Haustiere kann man kostengünstig über die reguläre Haftpflichtversicherung absichern.

Beruhigungsmittel sind keine gute Lösung

Viele verabreichen ihren Tieren zu Silvester Beruhigungsmittel. Das sollte man jedoch genau überdenken, so Schönbrodt. Es gibt Sedativa, die dazu führen, dass Hunde körperlich nicht mehr richtig reagieren können, aber alles noch voll mitkriegen. Es ist für die Tiere natürlich noch dramatischer, wenn sie merken: 'Es knallt, ich habe Angst, aber meine Beine sind ganz weich geworden.'

Einzelne Präparate hätten zudem unterschiedliche Nebenwirkungen. Auch berge die Verabreichung von Medikamenten abhängig vom Gesundheitszustand des jeweiligen Tieres verschiedene Risiken: Bevor man seinem Tier ein Beruhigungsmittel verabreicht, sollte man unbedingt mit einem Tierarzt sprechen, empfiehlt Schönbrodt.