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Lebensart

Rat von den Elterngeldprofis: Welche Anträge wichtig sind

Kindergeld & Co: Förderungen für werdende Mütter und Väter


Im überfüllten Seminarraum überlassen die Männer und auch einige Frauen ihren schwangeren Partnerinnen vorbildlich die Sitzplätze und tragen zahlreiche Einkaufstüten mit diversem Babyzubehör. Zwischen den rund 50 Paaren kann man den Redner kaum ausmachen. Hören kann man ihn allerdings sehr gut, denn jeder möchte wissen, was Elterngeldprofi Björn Wünsche den werdenden Müttern und Vätern rät.

Wer von Euch hat Elterngeld und Co. schon beantragt? fragt er auf dem Seminar der Baby-Messe Hamburg in die Runde. Keiner hebt die Hand. Die Mehrheit hat die Formulare noch nicht einmal heruntergeladen, obwohl der Nachwuchs bei vielen der Seminarteilnehmer wohl nicht mehr lange auf sich warten lässt.

Damit steht ihr nicht alleine, erklärt der Betriebswirt seinen Zuhörern, fast jeder sei von den bürokratischen Hürden überfordert und schiebe die Aufgabe vor sich her. Dabei geht es um eine Menge Geld. Manches davon muss man noch vor der Geburt des Kindes beantragen.

Staatliche Unterstützung im hohen fünfstelligen Bereich

Eltern steht über die Jahre zusammengezählt rund 57.600 Euro Kindergeld und 25.200 Euro Elterngeld zu, obendrauf kommt noch das Mutterschaftsgeld. Jede Förderung muss man einzeln zu bestimmten Fristen beantragen, erklärt Björn Wünsche, der sich mit dem Unternehmen Elterngeldprofis selbstständig gemacht hat. Wie es dazu kam? Eine längere Geschichte.

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Vom Betriebswirt zum Staatsfeind Nummer 1

Der gebürtige Münchener war einst als Steuerberater tätig und wurde von Freunden darum gebeten, bei den komplexen Anträgen zu helfen: Als Gegenleistung gab es Kuchen. Das hat sich dann rumgesprochen. Irgendwann hatte ich mehr Kuchen, als ich essen konnte und kaum noch Zeit für meine eigentliche Arbeit. Deswegen habe ich dann die Elterngeldprofis gegründet, so Wünsche, dessen Unternehmen seit den Anfängen 2009 mehr als 1.000 Anträge bearbeitet hat.

Der Plan ging auf: Die Dienste wurden so gut angenommen, dass sich sogar das Finanzministerium eingeschaltet hat, grinst Wünsche mir wurde nahegelegt, mir eine andere Tätigkeit zu suchen. Ich habe mich stattdessen mit Fachanwälten für Familie und Arbeitsrecht zusammengetan, damit ich rechtlich abgesichert bin. Mittlerweile hat sein Münchener Unternehmen Standorte in Stuttgart, Düsseldorf und Hamburg – Wünsche selber hat seinen Wohnsitz und einen Standort nach Berlin verlagert. Das Ziel des Unternehmens: In jeder größeren Stadt Ansprechpartner zu haben.

Diese Anträge müssen Eltern stellen

  • Mutterschaftsgeld (einkommensabhängiger Betrag) muss man vor der Geburt beantragen.
  • Kindergeld (monatlich zwischen 192 und 221 Euro pro Kind) wird mindestens bis zum 18., maximal bis zum 25. Lebensjahr des Kindes gezahlt und kann zur Not nach der Geburt beantragt werden.
  • Elterngeld (zwischen 4.200 und 25.200 Euro verteilt über 14 Monate) kann zur Not nach der Entbindung beantragt werden.
  • Sonderzulagen für Beamte variieren und müssen separat beantragt werden.

Anträge überfordern werdende Eltern

Warum braucht man eigentlich jemandem wie Björn Wünsche? Du hast ja im Seminar gesehen, dass sich kaum jemand mit dem Thema auseinandersetzen möchte. Und natürlich hat man während der Schwangerschaft ohnehin viel um die Ohren, so der Elterngeldprofi.

Die Formulare sind kompliziert wie Steuererklärungen. Fehlt das betriebswirtschaftliche Know-how, kann man beim Ausfüllen der Dokumente leicht was falsch machen – trotz der Hinweise von Behörden. Denn wer weiß aus dem Stegreif schon, welche Familienkasse zuständig ist und wie man richtig mit den ganzen Anlagen verfährt? Die Folge: finanzielle Einbußen.

Doch nicht nur das: Man kann durch einen Steuerklassentausch und die richtige Aufteilung des Elterngelds als Paar sogar an staatlicher Förderung dazugewinnen, erklärt Wünsche.

Wie das geht, erklären die Elterngeldprofis für 500 Euro. Ergibt sich durch die Beratung keinen Vorteil von mindestens 1.000 Euro, bekommt man die 500 Euro zurück. Hilfe bei der Antragstellung und dem korrekten Ausfüllen der Formulare geben die Rechtsanwälte, Steuerberater und Betriebswirte ebenfalls für 500 Euro: Viele, die zu uns kommen, haben sich bereits selbst mit dem Thema befasst und möchten nur, dass wir überprüfen, ob sie die Dokumente korrekt bearbeitet haben, so Wünsche. Diesen Service kostet 59,90 Euro.

Mutterschaftsgeld: Das muss man wissen

Das Mutterschaftsgeld steht, wie der Name schon sagt, nur der Mutter zu. Ausgezahlt wird es im Zeitraum von sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bis mindestens acht Wochen danach. Es muss in jedem Fall vor Beginn des Mutterschutzes beantragt werden. Man benötigt dafür eine ärztliche Bescheinigung mit dem Stichtag. Dieser Beleg darf maximal vier Wochen alt sein.

Soviel Mutterschaftsgeld steht Ihnen zu

Wieviel Mutterschaftsgeld Ihnen zusteht, ist abhängig von Ihrem beruflichen Status sowie der Art der Krankeversicherung. Im Folgenden finden Sie mögliche Szenarien.

Gesetzlich krankenversicherte Mütter

  • Angestellt und gesetzlich krankenversichert: Die Krankenkasse zahlt maximal 13 Euro pro Kalendertag. Der Arbeitgeber erhöht den Betrag auf den durchschnittlichen Nettolohn der drei Monate vor Beginn des Mutterschutzes.
  • Selbstständig und gesetzlich krankenversichert: Die Krankenkasse zahlt Beträge in der Höhe des Krankengelds.
  • Geringfügig beschäftigt und gesetzlich krankenversichert: Das Bundesversicherungsamt zahlt einmalig bis zu 210 Euro.
  • Arbeitslos und gesetzlich krankenversichert: Das Mutterschaftsgeld hat die Höhe des Arbeitslosengelds.

Privat krankenversicherte Mütter

  • Angestellt und privat krankenversichert: Der Arbeitgeber zahlt das Nettogehalt minus 13 Euro pro Tag. Die private Krankenversicherung beteiligt sich nicht. Das Bundesversicherungsamt zahlt einmalig bis zu 210 Euro.
  • Selbstständig und privat krankenversichert: Das Bundesversicherungsamt zahlt einmalig bis zu 210 Euro.
  • Geringfügig beschäftigt und privat krankenversichert: Das Bundesversicherungsamt zahlt Müttern einmalig bis zu 210 Euro.
  • Arbeitslos und privat krankenversichert: Das Bundesversicherungsamt zahlt einmalig bis zu 210 Euro.

Entsprechend des Krankenversicherungsstatus variiert auch die Stelle, das für die Zahlung des Mutterschaftsgelds zuständig ist. AUSFÜHREN

Elterngeld: So beantragt man die Förderung

Elterngeld erhält man insgesamt über 14 Monate. Die Höhe variiert mit der eigenen finanziellen Situation, insgesamt liegt es 2017 bei mindestens 4.200 Euro und maximal 25.200 Euro. Elterngeld kann man maximal drei Monate rückwirkend beantragen. Ist man zu spät dran, fällt die Förderung für versäumte Monate ersatzlos weg.

EINFLUSS VON STEUERKLASSE DER ELTERN AUF DIE HÖHE DES ELTERNGELDS -> ZITATE WÜNSCHE EINBAUEN //// ALLGEMEIN: MÜSSEN MUTTERSCHAFTSGELD UND ELTERNGELD VERSTEUERT WERDEN?

Kindergeld beantragen

Das Kindergeld soll das Existenzminimum von Minderjährigen gewährleisten. Ein Anspruch auf Kindergeld besteht ab dem Geburtsmonat des Kindes bis mindestens zu dessen Volljährigkeit. Auch in der Ausbildung, während des Studiums und Ähnlichem wird das Kindergeld bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs gezahlt.

Die Höhe des Kindergelds beträgt für das Jahr 2017 für das erste und zweite Kind je 192 Euro pro Monat. Für das dritte Kind erhält man 198 Euro, für das vierte und alle weiteren je 223 Euro.

Kindergeld richtig beantragen

  • Den Antrag stellt man bei der Familienkasse.
  • Die monatliche Auszahlung beginnt mit der Entbindung.
  • Es kann nach der Kindesgeburt beantragt werden.
  • Man kann es für vier Jahre rückwirkend beantragen.
  • Man benötigt Geburtsurkunde, Bankverbindung und Steueridentifikationsnummer (Eltern, Kind).

Besonderheiten bei Eltern mit anderer / weiterer Staatsbürgerschaft

Haben Sie eine andere oder weiterere Staatsbürgerschaft, steht Ihnen in vielen Fällen trotzdem staatliche Förderung zu. Auch Geburtsurkunde und Co. müssen Sie selbstverständlich beantragen. In manchen Fällen sind allerdings noch weitere Nachweise nötig, damit Sie die Gelder erhalten: Dazu gehört beispielsweise die Vorlage des Reisepasses mit einer Aufenthaltsgenehmigung oder Arbeitserlaubnis. Geburtsturkunden in anderen Sprachen müssen in zuweilen notariell beglaubigten Übersetzungen vorliegen.

Kindergeld versus Kinderfreibetrag

Die Alternative zum Kindergeld ist der Kinderfreibetrag. Es handelt sich um einen Steuerfreibetrag. Für beide Eltern zusammen beträgt er 7.356 Euro. Leben die Eltern getrennt, wird der Kinderfreibetrag aufgeteilt. Eltern können entweder das Kindergeld oder den Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen.

Die Inanspruchnahme des Kinderfreibetrags rentiert sich in der Regel nur für Gutverdiener mit einem Einkommen ab XXX, so Wünsche. Das Finanzamt ermittle nach Vorlage der Steuererklärung automatisch, welche Variante im Einzelfall vorteilhafter ist. Generell gilt: Das Kindergeld sollten Eltern in jedem Fall beantragen, auch wenn sie später stattdessen den Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen.

Steuererleichterungen für Eltern

Neben dem Kinderfreibetrag können Eltern noch weitere Steuervorteile nutzen: Nach Paragraph 10 des Einkommensteuergesetzes ($ 10 EStG) sind für kindergeldberechtigte Elternteile pro Jahr und Kind bis zu 4.000 Euro an Kinderbetreuungskosten absetzbar. Möglich ist dies für Kinder im Alter von bis zu 14 Jahren.

Alleinerziehenden steht zusätzliche Förderung zu

Alleinerziehenden Elternteilen stehen weitere Steuererleichterungen zu, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie leben mit mindestens einem Kind im gleichen Haushalt.
  • Sie beziehen für dieses Kind das Kindergeld.
  • Sie sind lohnsteuerpflichtig.

Ist das der Fall, dann kann man bei der Steuererklärung den Alleinerziehendenentlastungsbetrag geltend machen. Dieser beträgt 2017 1.908 Euro pro Jahr. Für jedes weitere Kind erhöht sich dieser Betrag um 240 Euro. Den Entlastungsbetrag muss man nicht separat beantragen, aber in der Steuererklärung eintragen, damit er berücksichtigt wird.

So beantragen Sie die Geburtsurkunde

Eltern benötigen bei allen Anträgen zu Förderungsgeldern die Geburtsurkunde ihres Kindes. Diese amtliche Bescheinigung enthält Informationen zu Geburtsdatum, Namen, Geschlecht und Ort sowie Namen der Eltern oder Adoptiveltern. Sie wird in der Regel vom zuständigen Standesamt am Geburtsort des Kindes ausgestellt. Eltern, Krankenhäuser und / oder Zeugen der Geburt müssen das Amt binnen einer Woche informieren.

Zur Ausstellung benötigt die Behörde die Ausweise und Geburtsurkunden der Eltern, einen Nachweis über den Familienstand der Mutter sowie gegebenenfalls die Geburtsurkunden vorhandener Kinder. Ebenfalls erforderlich ist die Geburtsbescheinigung der Hebamme. Bei Geburten im Krankenhaus wird diese direkt an das Standesamt übersendet. Die notwendigen Formulare (etwa den Vordruck für den Vornamen Ihres Babys) sind auf Online-Portalen der Gemeinden oder Länder erhältlich.

Können Sie sich in der ersten Woche noch nicht auf einen Namen für Ihre Tochter oder Ihren Sohn festlegen, können Sie den binnen 30 Tagen nach der Geburt nachreichen.

Wann braucht man eine Sorgeklärung / Vaterschaftsanerkennungsurkunde?

Sind die Eltern nicht verheiratet, wenn ihr Kind zur Welt kommt, können Väter sich kostenlos als Elternteil anerkennen lassen. Die Anerkennung erfolgt persönlich beim Jugendamt und kann schon vor der Geburt des Kindes vorgenommen werden.

Diese Vaterschaftsanerkennungsurkunde fungiert zugleich auch eine Bescheinigung über das gemeinsame Sorgerecht beider Elternteile (Sorgeerklärung). Das heißt praktisch, dass beide Elternteile wichtige Entscheidungen über ihr Kind nur gemeinsam treffen können und alle entsprechenden Rechte und Pflichten teilen. Ehe der Vater die Urkunde erhält, muss die Mutter deshalb schriftlich zustimmen.

Für den Erhalt der Sorgeerklärung beziehungsweise der Vaterschaftsurkunde ist der Identitätsnachweis (Personalausweis oder Pass) unerlässlich.

Kontakt

Kristina Vogt
Redaktion

Tel.: 040 730 98 288
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