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Versicherung

Mutter-Kind-Kur richtig beantragen


Wenn Sie als Mutter oder Vater eine Kur machen möchten, sind Sie mit diesem Wunsch nicht alleine. Über 130.000 Mütter und auch immer mehr Väter lassen sich jedes Jahr über die Möglichkeiten einer Kur beraten. Um sich eine Auszeit zu nehmen, Leiden zu lindern und vor allem mit den vielen Anforderungen und Belastungen im Alltag dauerhaft besser zurecht zu kommen.

Dieser Ratgeber enthält viele wichtige Informationen für Ihren Kurantrag. In einem ausführlichen Interview mit Anne Schilling vom Müttergenesungswerk erfahren Sie außerdem, was Sie in einer Kur erwartet, wie es anderen Müttern geht und erhalten Antworten auf häufige Fragen rund um die Mutter-Kind-Kur.

Wie beantrage ich eine Mutter-Kind-Kur?

Der Weg zum erfolgreichen Kurantrag besteht aus mehreren Schritten und endet bei Ihrer Krankenkasse. Zunächst bieten Ihnen deshalb fachlich spezialisierte Beratungsstellen einen Anlaufpunkt, um Fragen rund um die Antragsstellung zu klären.

Die bekannteste dieser Stellen ist das Müttergenesungswerk, das in ganz Deutschland rund 1300 Beratungsstellen unterhält.

Daneben gibt es regional und deutschlandweit agierende Beratungsunternehmen und die Angebote von wohltätigen Organisationen. Im Beratungsgespräch erhalten Sie wichtige Informationen zum Verfahren mit Ihrer zuständigen Krankenkasse und für den Arztbesuch.

Hinweis: Mutter-Kind-Kur = Vater-Kind-Kur

Seit den 80er Jahren ist die Mutter-Kur auch mit Kind möglich. Und seit 2002 können auch Väter eine entsprechende Kur beantragen. Dennoch nehmen deutlich mehr Mütter als Väter die Kurmaßnahmen in Anspruch. Wenn in diesem Ratgeber von Mutter(-Kind)-Kuren die Rede ist, sind damit immer auch Vater-Kind-Kuren gemeint.


Ärztliches Attest für die Krankenkasse

Um einen Antrag bei der Krankenkasse einzureichen, benötigen Sie ein ärztliches Attest. Entsprechende Attestformulare stellen die genannten Beratungsstellen oftmals online zum Download zur Verfügung. Wenn Sie einen Kurantrag ohne ärztliches Attest stellen, müssen Sie, im Falle einer Genehmigung, die Kosten für die Kur selbst tragen. Mit einem ärztlichen Attest, also bei medizinischer Indikation, übernimmt hingegen die Krankenkasse den überwiegenden Teil der Kosten. Den Antrag für eine Kur füllen Sie selbst aus. Auch hier stehen Ihnen die Beratungsstellen mit nützlichen Tipps und viel Erfahrung zur Seite. Den fertig ausgefüllten Antrag schicken Sie dann, mit dem ärztlichen Attest, an Ihre Krankenkasse. Sie können bereits bei der Antragsstellung eine Wunsch-Einrichtung angeben, in der Sie an einer Kur teilnehmen möchten. Einen Überblick geeigneter Kliniken erhalten Sie online, zum Beispiel auf der Seite des Müttergenesungswerks.


Widerspruch: Wenn die Krankenkasse Ihren Kurantrag ablehnt

Falls Ihnen mit Ihrem Antrag nicht auf Anhieb eine Kur genehmigt wird, sollten Sie in jedem Fall einen Widerspruch einlegen. Krankenkassen sparen prinzipiell an Leistungen und lehnen viele Anträge erstmal ab. Allerdings beruhen diese Ablehnungen oft auf Formfehlern und sind mangelhaft begründet. Ihre Chancen, nach einem Widerspruch doch eine Genehmigung zu erhalten, sind gut. Das Müttergenesungswerk unterstützt betroffene Frauen kostenlos bei ihrem Widerspruch.


Kinder können auch als Patienten mitkommen

Das ärztliche Attest kann auch für Ihre Kinder ausgestellt werden. Dann gelten sie ebenfalls als Patienten. Andernfalls fahren Kinder bis einschließlich 11 Jahre als gesunde Begleitkinder mit. Für Kinder mit Behinderungen gibt es keine Altersbeschränkung. Beachten Sie an dieser Stelle auch die Unterschiede zu alleinigen Mütter-Kuren und Kuren für pflegende Frauen.


Mutter-Kind-Kur mit PKV

Ob und welche Leistungen die private Krankenversicherung bewilligt, hängt von den jeweiligen Vertragskonditionen ab. Erkundigen Sie sich deshalb im Vorfeld, ob Ihr Tarif die Finanzierung von Mutter-Kind-Kuren beinhaltet.

Der zu erbringende Eigenanteil variiert zudem je nach Klinik, deshalb lohnt sich die diesbezügliche Recherche.

Dauer und Kosten der Kur

Die Kurmaßnahme dauert in der Regel 21 Tage, wenn eine Genehmigung vorliegt, kann sie auch auf 28 Tage ausgeweitet werden. Als Erwachsene zahlen Sie pro Kalendertag eine Eigenbeteiligung von 10 Euro, Geringverdienerinnen können Ermäßigungen dieser Gebühr beantragen. Für mitreisende Kinder unter 12 Jahren entstehen keine Extrakosten.


Gehaltfortzahlung während der Kur

Während der Kur müssen Sie keine Urlaubstage in Anspruch nehmen und erhalten eine vollständige Lohnfortzahlung.


Vorlagen für den Kurantrag

Die Formulare zur Antragsstellung können Sie vorab im Internet ansehen, zum Beispiel auf der Seite des Deutschen Arbeitskreis für Familienhilfe. Nehmen Sie am besten die ausgedruckten Formulare mit zu Ihrem Beratungsgespräch. Neben dem eigentlichen Antrag und dem ärztlichen Attest gehört auch eine Selbstauskunft zu den erforderlichen Fomularen. Gemeinsam mit Ihrer Beraterin füllen Sie die Formulare aus und schicken Sie mit dem ärztlichen Attest an Ihre Krankenkasse.


In 6 Schritten zur Mutter-Kind-Kur

  • Beratungsgespräch: Suchen Sie eine Beratungsstelle auf, die sich auf Mutter-Kind-Kuren spezialisiert haben. In einem Beratungsgespräch klären Sie Ziel und Ablauf einer Kur und den Inhalt Ihres Antrags.
  • Attest: Sie benötigen ein ärztliches Attest, um die Kurmaßnahme bei Ihrer Krankenkasse zu beantragen. Die notwendigen Attestformulare bekommen Sie in Ihrer Beratungsstelle oder hier zum Herunterladen.
  • Arztbesuch: Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Hausarzt und bringen Sie das Attestformular mit zum Termin. Der Arzt oder die Ärztin sollte das Attestformular für Sie und Ihr Kind möglichst ausführlich ausfüllen.
  • Antragsformular: Besprechen Sie mit Ihrer Beraterin, was im Antragsformular stehen sollte und ob für Sie eher eine Mütterkur oder eine Mutter-Kind-Kur optimal ist. Füllen Sie die Unterlagen gemeinsam aus.
  • Kurort auswählen: Sie können gezielt einen Antrag zur Kur in einer bestimmten Klinik stellen.
  • Widerspruch bei Ablehnung: Wenn Ihr Antrag beim ersten Versuch abgelehnt wird, legen Sie Widerspruch ein. Auch hierzu erhalten Sie von Ihrer Beraterin die nötige fachliche Unterstützung.
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Checkliste zum Download

Hier können Sie sich unsere Checkliste "In sechs Schritten zum erfolgreichen Kurantrag" kostenfrei herunterladen. Kostenfreier Download


Wartezeit zwischen zwei Kuren

Eine Mutter-Kind-Kur ist eine medizinische Maßnahme - ein Arzt stellt fest, wenn Sie erneut eine Kur brauchen. Generell haben Sie alle vier Jahre einen gesetzlichen Regelanspruch auf eine Kurmaßnahme. Unter bestimmten Voraussetzungen und nach Bestätigung durch einen Arzt kann eine zweite Kur aber auch früher erfolgen, zum Beispiel, wenn sich Ihre individuelle Belastungssituation oder Ihre gesundheitlichen Voraussetzungen geändert haben, wenn Eltern zum Beispiel ein behindertes Kind betreuen.


Adressen und Ansprechpartner für Ihren Kurantrag:


Interview mit Anne Schilling vom Müttergenesungswerk

Viele Mütter, aber auch immer mehr Väter machen eine Kur, weil sie erschöpft sind. Die betroffenen Eltern kommen mit den Mehrfachbelastungen aus Familie und Beruf nicht mehr zurecht.

Rund 49 000 Mütter und 1150 Väter kommen jährlich zum Müttergenesungswerk, das in Deutschland 77 gemeinnützige Kliniken für Mütter- und Mutter-Kind-Kuren anerkannt hat. Auch für immer mehr Väter gibt es entsprechende Angebote. Wir haben mit Anne Schilling gesprochen, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Sie erklärt, warum Stress so viele Mütter krank macht, wie eine Kur helfen kann und was Eltern dabei erwartet.

Tarifcheck.de: Was sind die häufigsten Gründe, warum Eltern bei Ihnen eine Kur machen?

Anne Schilling: Bei den Müttern, aber auch immer mehr Vätern, die zu uns kommen, geht es meist um Erkrankungen wie Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Gelenkbeschwerden, Essstörungen, Erschöpfungserscheinungen aber auch um Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Infektanfälligkeit. Solche Leiden sind Anzeichen dafür, dass der Körper nicht gut funktioniert, dass eine Schwächung vorhanden ist. Wenn dazu dann Belastungen kommen, zum Beispiel durch Probleme in der Partnerschaft, in der Erziehung, durch Arbeitslosigkeit oder gar durch den Tod des Partners oder des Kindes, werden Krankheiten und Beschwerden begünstigt oder verstärkt. Oft kommen zu uns auch Eltern, die selbst einen Angehörigen pflegen oder ein chronisch krankes oder behindertes Kind.

Anne Schilling vom Müttergensungswerk© Tarifcheck.de
Bild: Anne Schilling.

Viele Mütter berichten dann zum Beispiel davon, dass sie in der Erziehung zunehmend die Geduld verlieren. Dass sie eigentlich nicht mehr können. Und erst dann, wenn der Leidensdruck zu hoch wird, kommen die Mütter zu uns oder gehen zum Arzt und sagen: ich kann nicht mehr. Kann ich vielleicht zur Kur? Oft stellt aber auch der Arzt die Erschöpfung fest, bevor die Mutter den Wunsch äußert, und empfiehlt eine Kurmaßnahme.

Tarifcheck.de: Über welchen Weg kommen die meisten Frauen ins Müttergenesungswerk?

Anne Schilling: Nach unseren Erfahrungen kennt die Mehrheit der Mütter die Möglichkeit einer Kurmaßnahme bereits über andere. Mund-zu-Mund-Propaganda tut hier einen guten Dienst. Oft sagen Freundinnen oder Bekannte: Erkundige dich doch mal nach einer Kur oder frag’ Deinen Arzt. Ein relativ großer Teil der Mütter wird aber auch von ihrem Arzt darauf hingewiesen, dass bei ihnen vielleicht eine Mutter-Kind-Kur angebracht ist. Oder auch eine Mütter-Kur. Ob die Kur mit oder ohne Kind angetreten wird, das muss man im Einzelfall sehen und auch die Frau muss das entscheiden.

Tarifcheck.de: Eine klassische Kur ist das ja nicht, oder...? Was erwartet Eltern?

Anne Schilling: Eine Mutter-Kind-Kur ist eine medizinische Maßnahme und kein Erholungsurlaub. Wenn eine Kurmaßnahme genehmigt wird, fährt entweder die Mutter oder der Vater - mit oder ohne Kinder. Manchmal werden diese Kuren in den Medien als Mutter-Vater-Kind- oder Elternkuren dargestellt. Die Krankenkasse bewilligt eine Kurmaßnahme individuell aufgrund der persönlichen Gesundheitssituation. Mit und auch ohne Kinder, aber nicht als Familie.

Tarifcheck.de: Wie lange dauert eine Mutter-Kind-Kur?

Anne Schilling: Die Kurmaßnahme dauert in der Regel drei Wochen. Je nach Einzelfall ist eine Verlängerung möglich, das muss die Krankenkasse aber genehmigen. Die überwiegende Mehrheit macht eine 3-Wochen-Kur.

Tarifcheck.de: Wann bekommt man eine Mutter-Kind-Kur? Was kann für oder gegen eine Kur sprechen? Müssen andere therapeutische Maßnahmen davor ausgeschöpft werden?

Anne Schilling: Nicht jeder, der hin und wieder Kopfschmerzen hat, braucht so eine Kur. Wenn Sie aber merken, dass Ihnen alles zu viel wird, wenn Sie das Gefühl bekommen, Sie würden am liebsten weglaufen, dann scheint es eine Belastungssituation zu geben, die man zumindest überprüfen sollte. Viele Frauen haben in der Regel auch schon eine Krankengeschichte hinter sich oder waren beim Arzt, bevor sie eine Kur in Erwägung ziehen

Tarifcheck.de: Gibt es Ausnahmen, in denen eine Mutter-Kind-Kur mit dem Vater genehmigt wird?

Anne Schilling: Ja, es gibt Ausnahmen. Wir haben zum Beispiel Kliniken, die auf Mütter mit schwerstbehinderten Kindern spezialisiert sind. Solche Kinder müssen rund um die Uhr betreut werden. In diesen Fällen bewilligt die Krankenkasse manchmal eine Assistenzpflege für die Kurmaßnahme oder der andere Elternteil bekommt zeitgleich auch eine Kur bewilligt.

Mutter-Kind-Kur mit PKV

Ob und welche Leistungen die private Krankenversicherung bewilligt, hängt von den jeweiligen Vertragskonditionen ab. Erkundigen Sie sich deshalb im Vorfeld, ob Ihr Tarif die Finanzierung von Mutter-Kind-Kuren beinhaltet.

Der zu erbringende Eigenanteil variiert zudem je nach Klinik, deshalb lohnt sich die diesbezügliche Recherche.

In den Kliniken im Müttergenesungswerk ist das Paar dann gemeinsam untergebracht und beide Elternteile machen ihre Kurmaßnahme parallel zueinander: im gleichen Kurdurchgang in der Mutter-Kind-Gruppe und in der Vater-Kind-Gruppe mit jeweils eigenen therapeutischen und gendersensiblen Angeboten. Dazu kann es auch gemeinsame Einheiten geben.

Tarifcheck.de: Gibt es Besonderheiten bei den Kurmaßnahmen für Väter?

Anne Schilling: Das Müttergenesungswerk ist der einzige Anbieter in Deutschland, der speziell Kuren für Väter anbietet. Wir haben derzeit zwölf Kliniken, in denen Väter spezifische Kurmaßnahmen gemeinsam mit anderen Vätern erhalten. Und es kommen sicher noch weitere Häuser dazu. Diese Kliniken haben ein vom Müttergenesungswerk geprüftes Vater-Kind-Konzept, das heißt, es gibt dort entweder reine Vater-Kind-Kuren, die nur Väter mit ihrem Kind aufnehmen, oder parallel zu Mutter-Kind-Kuren Vater-Kind-Gruppen von mindestens 5 Vätern, damit ein Austausch untereinander möglich ist.

Tarifcheck.de: Ist eine Mutter-Kind-Kur vergleichbar mit einem Krankenhausaufenthalt?

Anne Schilling: Nein. Die Umgebung ist sicherlich angenehmer, die Kurhäuser liegen alle in landschaftlich schönen Gebieten. Je nach Erkrankung sind die Kliniken spezialisiert. In den Häusern erwartet Mütter und Väter eine wohnliche Atmosphäre und sie gestalten aktiv ihre Kurmaßnahme.

Tarifcheck.de: Wie läuft eine Mutter-Kind-Kur ab?

Anne Schilling: Dem Müttergenesungswerk und in allen anerkannten Kliniken für Mutter-Kind-Kuren geht es um die Behandlung von Körper und Seele. Die Kurmaßnahmen sind deshalb ganzheitlich ausgelegt. Bei der Ankunft gibt es eine Eingangsuntersuchung von einem Arzt bzw. einer Ärztin. Dann wird mit der Mutter gemeinsam ein Therapieziel vereinbart. Die Frauen kommen in der Regel mit mehreren Gesundheitsstörungen, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Rückenschmerzen , Migräne oder Kopfschmerzen – im Gespräch wird gemeinsam ausgelotet, welche zusätzlichen Belastungsfaktoren es gibt und was davon im Zentrum der Kurmaßnahme stehen soll. Wo ist der Leidensdruck am größten? Was ist am allerwichtigsten? Das ist die Grundlage für den individuellen Therapieplan.

Tarifcheck.de: Aus welchen Maßnahmen besteht so ein Therapieplan?

Anne Schilling: Der Therapieplan besteht aus fünf bis sechs verschiedene Einheiten pro Tag, und es bleibt auf jeden Fall Platz für eigene Ruhezeiten und eigene Aktivitäten. Das ist ein wichtiger Teil des Programms: sie müssen auch spazieren gehen können, Zeit für sich haben.

Jede Frau bekommt einen individuellen Plan mit medizinischen Maßnahmen, zum Beispiel tägliches Inhalieren, wenn Atemwegserkrankungen vorliegen, aber auch physiotherapeutische Maßnahmen, etwa zur Linderung von Verspannungen, wie medizinische Bäder oder Aquafitness. Zusätzlich gibt es immer ein Bewegungs-und Entspannungsprogramm und psychosoziale Therapien. Einzel- und– Gruppenangebote, zum Beispiel für Lebenssituationen wie Trauer, chronische Erkrankungen, Trennungsprobleme oder Erziehungsschwierigkeiten.

Tarifcheck.de: Wie können die Therapien der Mutter genau helfen?

Anne Schilling: Das Ziel einer Mutter-Kind-Kur oder Mütter-Kur ist immer, nicht nur die Rückenschmerzen oder die Kopfschmerzen zu lindern, sondern auch herauszufinden, welche Belastungen die Krankheit verstärken oder begünstigen.

Kann ich daran etwas verändern? Und wenn ja, was? Und was ist tauglich für meinen Alltag? Warum bin ich so erschöpft? Liegt das vielleicht daran, dass ich alleine die Verantwortung trage? Kann ich Verantwortung teilen? Kann ich Dinge neu organisieren, und wen kann ich da miteinbeziehen, wie kann ich mir Luft schaffen? Und bin ich trotzdem eine gute Mutter, wenn ich einmal in der Woche einen Sporttag mit meinen Freundinnen haben will?

Was erwartet mich bei der Mutter-Kind-Kur© Fotolia.com - Syda Productions
Entspannung bei der Mutter-Kind-Kur.

Tarifcheck.de: Finden Mutter-Kind-Kuren in der Gruppe statt?

Anne Schilling: Der gesamte Kurdurchgang reist gemeinsam an und wieder ab. Das fördert den Austausch unter den Teilnehmern, es entstehen gruppendynamische Prozesse, die auch therapeutisch genutzt werden. Es gibt auch Kliniken, bei denen die Anreise wöchentlich ist, dann sind die Gruppen einfach kleiner. Unsere Erfahrung zeigt, dass es sehr heilsam ist, die Situation anderer Mütter und Väter kennen zu lernen. Wenn sie in der Kur sehen, dass es anderen auch so geht wie ihnen, relativieren sich manche belastenden Sichtweisen auf die eigene Situation.

Viele haben Sorge, keine gute Mutter zu sein. Es ist für viele eine große Befreiung, die eigenen Ansprüche etwas herunterzuschrauben und zu relativieren, Dinge einfach mal laufen zu lassen. Zu erleben, dass es anderen genauso geht und zu erkennen, dass sie trotzdem eine gute Mutter sind und dass es normal ist, nicht immer perfekt zu sein. Bei Erziehungsproblemen sind ExpertInnen und TherapeutInnen da, die konkret unterstützen.

Tarifcheck.de: Gibt es bundesweit Unterschiede in der Mutter-Kind-Kur?

Anne Schilling: Die Mutter-Kind-Kur ist im Sozialgesetzbuch V bundesweit einheitlich geregelt. Aber es gibt sehr verschiedene Konzept der Kliniken oder auch Schwerpunkte. Eine Mutter oder ein Vater sollte sich überlegen, welche Art von Klinik er oder sie braucht: Klein oder groß, nah oder fern, Spezialisierungen oder bestimmte Angebote usw. Die Auswahl der richtigen Einrichtung bestimmt maßgeblich den Erfolg einer Kurmaßnahme. Individuell ist das manchmal schwierig zu entscheiden. Wir bieten über die Beratungsstellen Hilfe an.

Tarifcheck.de: Was entscheidet darüber, welche Einrichtung die richtige ist?

Anne Schilling: Den optimalem Ort der Kur entscheidet einerseits die medizinische Indikation. Deswegen gibt es Kliniken, die sich auf bestimmte Krankheiten spezialisiert haben. Manche haben zum Beispiel Spezialisierungen für Mütter entwickelt, die eine Krebstherapie hinter sich haben oder die von MS betroffen sind. Bei solchen Krankheiten und damit verbundenen Einschränkungen und Ängsten leidet oft auch die Beziehung zum Kind. Es gibt auch Kliniken mit dem Schwerpunkt Allergien oder Naturheilverfahren.

Andererseits haben wir auch Kliniken, die auf bestimmte Belastungsfaktoren spezialisiert sind. Zum Beispiel für Frauen , die sich in einer Pflegesituation befinden oder die durch den Tod eines Angehörigen besonders belastet sind. Schwerpunkte gibt es auch für Alleinerziehende, für Mütter mit Migrationshintergrund oder mit Gewalterfahrungen oder die mit besonders kleinen Kindern anreisen wollen.

Tarifcheck.de: Was entscheidet sonst noch darüber, welche Maßnahmen geeignet sind?

Anne Schilling: Welche Bedürfnisse haben die Mutter oder der Vater? Sind sie zum Beispiel beruflich stark eingespannt und wollen mehr Zeit mit ihrem Kind verbringen? Es gibt unterschiedliche Konzepte in den einzelnen Kliniken, manche haben besonders viele gemeinsame Angebote für Mutter-Kind, in anderen geht es um möglichst große Entlastung durch viel Kinderbetreuung. Manche Frauen wollen auch in ein besonders kleines Haus, andere möchten so weit wie möglich von zuhause weg. Die Beratungsstelle hilft dabei, herauszufinden, welches Angebot zu den Bedürfnissen der Frau passt.

Tarifcheck.de: Was kann dafür sprechen, mit oder besser ohne Kind zur Kur zu gehen?

Anne Schilling: Manchmal ist es sehr gut, zusammen mit dem Kind zur Kur zu fahren Manchmal ist es aber auch wichtig, dass die Frauen alleine gehen. Bei dieser individuellen Entscheidung kann manchmal die Beratungsstelle helfen.

Wir ermutigen Mütter, sich und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen und nicht eine gesellschaftliche Norm zu erfüllen. Eine Kur ist kein Erholungsurlaub, sondern eine Gesundheitsmaßnahme, die deshalb auch von der Krankenkasse bezahlt wird.

Mit oder ohne Kind zur Kur© Fotolia.com - Jacob Lund
Mit oder ohne Kind zur Kur?

Tarifcheck.de: Wie läuft eine Kur mit Kind ab?

Anne Schilling: In der Mutter-Kind-Kur wird die Beziehung zwischen Mutter und Kind immer als Einheit verstanden. Wenn das Kind selbst nicht krank ist, verbringt es feste Zeiten in der Kinderbetreuung. Dazu gibt es Mutter-Kind-Interaktion, also gemeinsame Angebote für Mutter und Kind. Das geht vom gemeinsamen Turnen über Entspannungsübungen bis zu Bastelarbeiten und Vertrauensaktivitäten. Es geht darum, die Beziehung zwischen Mutter und Kind bzw. Vater und Kind zu stärken.

Tarifcheck.de: Wie genau wird die Beziehung zum Kind verbessert?

Anne Schilling: Mütter schildern oft Ihre Probleme aus dem Alltag in der Erziehung - die Kliniken drehen die problematische Sicht um und schauen: was läuft denn gut? Was ist das Schöne daran, Mutter bzw. Vater zu sein? Wie kann man diese Beziehung wieder leichter machen? In der Klinik steht dann ein gemeinsames Erleben, ein gemeinsames Arbeiten im Vordergrund, das sehr viel Freiraum für die Zukunft schafft.

Wir haben wissenschaftliche Studien, die klar belegen, dass selbst ein Jahr nach der Kurmaßnahme die positiven Wirkungen anhalten. Müttern, die eine Kur gemacht haben, geht es auch lange Zeit danach deutlich besser und die Mutter-Kind-Beziehung wird ebenfalls nachhaltig gestärkt.

Tarifcheck.de: Welche Hilfe gibt es für Alleinerziehende, die ohne Kind zur Kur gehen möchten?

Anne Schilling: Wenn Kinder jünger als zwölf Jahre sind, haben Eltern bei einer Kurmaßnahme Anspruch auf Familienhilfe. Die Beratungstelle hilft bei der Organisation . Dann wird zum Beispiel geklärt, wer einspringen oder unterstützen kann. Es wird in jedem Fall besprochen, wie es organisiert werden kann, damit die Mutter alleine fahren kann, wenn sie das muss oder will. Wenn die Familienhilfe nicht ausreicht und Bedürftigkeit gegeben ist, kann ggf. mit Spendenmitteln des MGW unterstützt werden.

Mutter-Kind-Kur für Alleinerziehende© Fotolia.com - Kalim
Kurangebote für Alleinerziehende

Tarifcheck.de: Was empfehlen Sie, wenn eine Mutter privat krankenversichert ist und der Vertrag keine Kurmaßnahmen abdeckt?

Anne Schilling: Man kann einen Vertrag natürlich ändern. Es wird dann geklärt, was finanziell selbst getragen werden kann oder ob es die Möglichkeit gibt, die Kosten zu stückeln.

Ob die Mutter mit Spendengeldern unterstützt werden kann, muss im Einzelfall geprüft werden. Das Müttergenesungswerk als Stiftung ist daran gebunden, dass eine Bedürftigkeit besteht, wenn es um finanzielle Unterstützung geht. Dafür sammeln wir Spenden. Der Bedarf ist groß. Die Beratungsstellen werden in jedem Fall versuchen, mit der Frau eine Lösung zu finden.

Tarifcheck.de: Unterstützen Sie finanziell, wenn sich jemand die Kur überhaupt nicht leisten kann?

Anne Schilling: Wir sind eine gemeinnützige Stiftung und sammeln Spenden. Es gibt Mütter, die sich zum Beispiel die gesetzliche Eigenbeteiligung von 10 Euro pro Tag (für die erwachsene Person) für die Kur nicht leisten können. Oder es passiert, dass eine Frau mit zwei Kindern ihr Gepäck vorausschicken muss, und kann sich das nicht leisten. Oder man muss noch Badeanzüge oder Sportkleidung oder einen Koffer für die Kur kaufen. In diesen Fällen helfen wir bei Bedarf und wenn möglich mit Spendengeldern.

Tarifcheck.de: Wie sollten Mütter mit ihrem Arbeitgeber vorgehen, wenn sie eine Kur machen möchten?

Anne Schilling: Zu allererst sollten sie an sich selbst und an ihre Gesundheit denken. Wir im Müttergenesungswerk bieten Frauen an, dass Sie sich an eine unserer rund 1300 Beratungsstellen im Bundesgebiet wenden. Hier bekommen Sie eine kostenlose Beratung und Antworten auf alle Fragen rund um die Kur. Manchmal stellt sich dort auch heraus, dass es noch gar nicht um eine Kur geht, sondern dass ein ganz anderes Problem im Vordergrund steht.

Bezüglich des Arbeitgebers müssen Mütter und Väter jedenfalls nichts unternehmen, solange sie nicht eine Kur beantragt haben und die Krankenkasse entschieden hat, ob die Maßnahme genehmigt wird. Erst wenn diese Bewilligung vorliegt, muss der Arbeitgeber informiert werden. Die Krankenkasse ist gesetzlich verpflichtet, innerhalb von drei Wochen über einen Kurantrag zu entscheiden, ob die gesundheitlichen und medizinischen Voraussetzungen für eine Kur gegeben sind. Die Zeit der Kurmaßnahme gilt als Krankheit. Es wird kein Urlaub angerechnet, das Gehalt wird normal fortgezahlt.

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