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Versicherung

Ernährungsberatung – Angebote, Ablauf, Kosten & Co.

24.05.2018

Wann macht eine Ernährungsberatung Sinn? Welche Angebote gibt es? Was ist der Unterschied zur Ernährungstherapie? Übernehmen Krankenversicherungen die Kosten? Und wo findet man gute Ernährungsfachkräfte? Dieser Ratgeber gibt Auskunft.

Ernährungsberatung versus Ernährungstherapie: Was ist der Unterschied?

Ernährungsberatung

Definition:
Die Ernährungsberatung richtet sich im Allgemeinen an gesunde Menschen. Sie ist eine freiwillig in Anspruch genommene Dienstleistung, die dabei helfen soll, Krankheiten und Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Anwendungsbereiche:
Gewichtsmanagement, Ernährung in der Schwangerschaft und Stillzeit, Kinder- und Säuglingsnahrung, Familienessen, Ernährung im Alter, Vollwerternährung, vegetarische und vegane Ernährung, Food Coaching, Einkaufstraining, Kühlschrank-Check.

Ernährungstherapie

Definition:
Die Ernährungstherapie ist ein Angebot für Menschen, die an einer Krankheit leiden und gibt eine individuelle Anleitung in einem therapeutischen Gesamtkonzept – zum Beispiel bei ernährungsabhängigen Erkrankungen oder krankheitsbedingten Ernährungsproblemen.
Anwendungsbereiche:
Übergewicht und Adipositas, Essstörungen, Lebensmittelunverträglichkeiten (Laktoseintoleranz, Fruktose- und Sorbitmalabsorption, Histaminunverträglichkeit, Zölliakie), Diabetes, Fettstoffwechselstörungen, Erkrankungen des Verdauungstraktes (Galle, Pankreas, Leber, Magen), Osteoporose, Rheuma und Gicht, Reizdarmsyndrom, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Bluthochdruck, Allergien, Pseudoallergien, Krebserkrankungen, Ernährung vor und nach bariatrischen Operationen (Adipositaschirurgie).

Wie läuft eine Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie ab?

Die meisten Ernährungsberater bieten vorab ein kostenloses, telefonisches Erstgespräch an. In diesem können bereits Fragen bezüglich Ablauf, Kosten sowie Bezuschussung der Krankenkassen geklärt werden. Es gibt unterschiedliche Arten der Ernährungsberatung: Je nach Bedarf finden sie im Einzelgespräch oder Gruppen, in Workshops, Vorträgen oder Seminaren statt und umfassen dementsprechend auch unterschiedlich viel Zeit.

Wie läuft ein Erstgespräch ab?

Damit die Beratung so gut wie möglich genutzt werden kann, bringen Sie zum Erstgespräch am besten alle erforderlichen Unterlagen mit. Dazu gehören die Überweisung, das Rezept sowie etwaige Laborbefunde.

Es ist zudem sinnvoll, bereits ein Ernährungstagebuch zu führen. Dieses Tagebuch beinhaltet im Idealfall eine Auflistung aller verzehrten Lebensmittel und Getränke mit Datum und Uhrzeit sowie – je nach Grund für die Ernährungstherapie – auch Symptome oder die individuelle Stimmung.

Ernährungsberatung Übergewicht© Monkey Business - Fotolia.com
Mit einem Ernährungstagebuch behält man den Überblick.

Wie teuer ist eine Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie?

Das variiert je nach Art der Beratung und der Anzahl der benötigten Beratungsstunden. Oft liegen die Kosten im unteren bis mittleren dreistelligen Bereich.

Übernehmen Krankenkassen die Kosten einer Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie?

Abhängig von den Gründen, aus denen Sie sich für den Besuch eines Ernährungsberaters entschließen, übernehmen die Krankenkassen oft zumindest einen Teil der Kosten.

Bei einer Ernährungsberatung zu Übergewicht geschieht dies beispielsweise auf Grundlage des sogenannten "Leitfadens Prävention". Auch wenn krankheitsbedingte Ernährungsprobleme diagnostiziert wurden, übernehmen die Krankenversicherungen unter bestimmten Voraussetzungen die Kosten der Ernährungstherapie; die Rahmenbedingungen sind in Paragraph 43 des Fünften Sozialgesetzbuches (§ 43 SGB V) festgelegt. § 20 des SGB V befasst sich mit Gruppenkursen zu Ernährungsthemen – beispielsweise in der Schwangerschaft, bei Kindern oder Senioren.

Die Zuschüsse der Krankenversicherungen unterscheiden sich

  • Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen mit einem ärztlichen Rezept oder einer Überweisung bis zu fünf Beratungsstunden.
  • Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten tarifabhängig nach Antragstellung.
  • Betriebskrankenkassen übernehmen häufig 85 bis 100 Prozent der Kosten.
  • Private Krankenzusatzversicherungen übernehmen die Kosten ebenfalls tarifabhängig nach Antragstellung.

Möchten Sie eine Ernährungsberatung oder eine Ernährungstherapie in Anspruch nehmen, erkundigen Sie sich am besten vorab bei Ihrer Krankenkasse über eine Bezuschussung.

Wie beantragt man eine Ernährungsberatung oder Ernährungstherapie?

Man benötigt davor vorab eine Notwendigkeitsbescheinigung. Ausstellen können diese entweder Hausärzte oder auch Fachärzte wie zum Beispiel Gastroenterologen oder Allergologen. Die Notwendigkeitsbescheinigung besteht aus einem Rezept oder einer Überweisung mit dem Hinweis "Ernährungsberatung beziehungsweise Ernährungstherapie aufgrund von folgender ...".

Die Anzahl der benötigten Beratungsstunden bespricht der von Ihnen ausgewählte Ernährungsberater mit Ihnen in einem Erstgespräch.

Wie findet man einen qualifizierten Ernährungsberater?

Aufgrund der Vielzahl von Fachgebieten ist es wichtig, sich einen Ernährungsberater suchen, der sich auf den von Ihnen benötigten Bereich spezialisiert hat.

Auf den Internetseiten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der Verbände finden Sie Fachkräfte in Ihrer Nähe. Die Auflistung beinhaltet Informationen zu den verschiedenen Fachgebieten der Ernährungsexperten und kann teils auch nach Postleitzahlen gefiltert werden.

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Woran erkennt man einen qualifizierten Ernährungsberater?

Der Begriff "Ernährungsberater" ist in Deutschland nicht geschützt.

Aufgrund der fehlenden gesetzlichen Regelungen kann sich im Prinzip jeder Ernährungsberater nennen.

Im Internet locken Lehrgänge und Fernstudien privater Fortbildungsinstitute mit einem Abschluss als Ernährungsberater.

Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen die Kosten einer Ernährungsberatung jedoch nur dann, wenn die Ernährungsfachkraft einen anerkannten Berufs- oder Studienabschluss im Bereich Ernährung sowie eine Zusatzqualifikation nachweist.

Von Krankenkassen anerkannt werden Diätassistenten, Oecotrophologen und Ärzte.

Zusätzlich müssen Ernährungsberatungsfachkräfte durch ein Zertifikat nachweisen, dass sie sich durch Teilnahme an bestimmten Fortbildungen qualifiziert haben und sich regelmäßig weiterbilden.

Vier Zertifikate und eine Registrierung erkennen Kassen an:

  • Zertifikat Ernährungsberater der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)
  • Fortbildungszertifikat des Verbandes der Diätassistenten - Deutscher Bundesverband e. V. (VDD)
  • Zertifikat Ernährungsberater des Berufsverbands Oecotrophologie e. V. (VDOE)
  • Qualifizierte Diät- und Ernährungsberater vom Verband für Ernährung und Diätetik e. V. (VFED)
  • Registrierung bei der Deutschen Gesellschaft der qualifizierten Ernährungstherapeuten und Ernährungsberater e. V. (QUETHEB) als Qualifikationsnachweis zur Ausübung der Ernährungstherapie und Ernährungsberatung
Ernährungsberatung Schwangerschaft© Anna Om - Fotolia.com
In der Schwangerschaft ist eine gesunde Ernährung besonders wichtig.
Ernährungsberatung Stillzeit© nikla - Fotolia.com
Auch für stillende Mütter gibt es Ernährungsberatungen.

Andere Angebote: ganzheitliche Ernährungsberatung beim Heilpraktiker

Einige Heilpraktiker bieten eine ganzheitliche Betrachtung von Ernährung an und gehen damit noch einen Schritt weiter als viele klassische Ernährungsberatungen. Heilpraktiker verknüpfen dabei oft labordiagnostische Untersuchungen mit individuellen naturheilkundlichen Maßnahmen und setzen nicht nur bei Ernährung an, sondern betrachten den jeweiligen Lebensstil als Ganzes.

  • Private Krankenversicherungen übernehmen die Heilpraktikerkosten tarifabhängig in Teilen oder gar vollständig.
  • Gesetzliche Krankenkassen bezuschussen Heilpraktikerbehandlungen nur in den seltensten Fällen.
  • Private Krankenzusatzversicherungen übernehmen die Kosten für Heilpraktikerbesuche tarifabhängig in Teilen oder gar vollständig.