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Braucht mein Haustier eine Haftpflichtversicherung?

Tipps für Tierfreunde


Hund, Katze, Kaninchen – viele Familien haben vierbeinige Mitglieder. Wer haftet, wenn der Hund im Café das Geschirr vom Tisch fegt oder die Katze den Karpfenteich des Nachbarn plündert? Wie findet man entlaufende Haustiere wieder? Und wie beruhigt man seine vierbeinigen Gefährten an Silvester? Wir befragten Versicherungskaufmann Sascha Homann und Tierheim-Leiterin Karen Schönbrodt gibt Auskunft.

1 Menschen haften für ihre Tiere

Richtet das Tier einen Schaden an, haftet der Besitzer mit dem gesamten Vermögen, kommentiert Versicherungsexperte Homann. Dabei sei es egal, ob es sich um Katzen, Hunde, Schafe oder Pferde handele. Einige Schäden können schnell ins Geld gehen, etwa wenn der Hund sich von der Leine reißt und einen Unfall provoziert. Oder wenn die Katze jemanden beißt und der Geschädigte aufgrund einer entzündeten Wunde krankgeschrieben werden muss. Auch für Sachschäden müssen Tierhalter gerade stehen, etwa wenn entfleuchte Hühner den Lack auf dem Auto des Nachbarn zerkratzen.

2 Haftpflichtversicherung für Haustiere und das liebe Vieh

Haus- und Nutztiere sollte man unbedingt haftpflichtversichern. Einige Tiere kann man über die reguläre Haftpflichtversicherung absichern. Die Hafpflichtversicherung ist generell günstig und schon für weit unter 50 Euro pro Jahr erhältlich. Der Einschluss von Katzen, Kaninchen & Co. verteuert die Tarife in der Regel gar nicht. Aber nicht alle Tiere kann man darüber versichern.

3 Zucht- und Nutztiere – Unterschiede zwischen privater und beruflicher Nutzung

Nutzt man Tiere hauptberuflich und gewerblich für Zucht, Nahrungsmittelproduktion, Sport oder Jagd, müssen sie über eine Betriebshaftpflichtversicherung oder spezielle Tierhaftpflichtversicherungen abgedeckt werden, erklärt der Versicherungskaufmann.

Der Grund: Die herkömmliche Haftpflichtversicherung greift nur bei Schäden im Rahmen des Privatlebens. Hält man Nutztiere wie Schafe, Hühner oder Bienen hingegen nur privat, könnten sie aber meist über den regulären Haftpflichtschutz versichert werden. Pferde benötigten in jedem Fall eine spezielle Pferdehaftpflichtversicherung.

So oder so: Beherbergt man Wesen mit Fell, Schuppen oder Federn, lohne sich die Nachfrage beim Haftpflichtversicherungsanbieter, damit man im Schadenfall nicht selbst zur Kasse gebeten werde, rät Homann.

Plane man die Anschaffung von Spinnen, Schlangen oder anderen exotischen Tieren, sollte man sich zudem über das Gemeinderecht vor Ort erkundigen, denn mancherorts ist die Haltung bestimmter Arten verboten beziehungsweise erfordert eine Genehmigung – beispielsweise in Berlin.

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4 Hundehaftpflichtversicherung für den Vierbeiner

Für den besten Freund des Menschen gibt es die Hundehaftpflichtversicherung; die Absicherung über die gängige Haftpflichtversicherung ist nicht möglich. Je nach Wohnort und Hunderasse ist die Hundeversicherung sogar gesetzlich vorgeschrieben, kommentiert Versicherungskaufmann Homann. Auch hätten einzelne Kommunen unterschiedliche Gesetzgebungen zu Leinen- und Maulkorbzwang, sowie zur Haltung von Hunden, die als besonders aggressiv eingestuft werden. Würden entsprechende Vorgaben nicht eingehalten, riskiere man möglicherweise den Versicherungsschutz.

Unabhängig davon, ob der Gesetzesgeber eine Hundeversicherung verlangt, im eigenen Interesse sollte man sie unbedingt abschließen. Selbst die freundlichsten Hunde können große Schäden anrichten. Man haftet beispielsweise, wenn ein Senior vor dem Supermarkt über einen Dackel stolpert und sich die Hüfte bricht, so Homann.

5 Auch Hundehüter & ehrenamtliche Helfer im Tierheim haften

Passen Dritte auf den eigenen Hund auf, gilt der Hundeversicherungsschutz nur, wenn der Haftpflichtversicherungsvertrag die Klausel Fremdhüterrisiko beinhaltet, erklärt der Versicherungskaufmann. Die Hundeversicherung für das eigene Tier gelte umgekehrt auch nicht, wen man selbst andere Hunde hütet oder mit ihnen spazieren geht. Man hafte im Schadenfall selbst für das fremde Tier, falls der Hundebesitzer keine Hundeversicherung mit Fremdhüter-Klausel besitze.

Ist man ehrenamtlich im Tierschutzvereinen tätig, sollte man sich über die reguläre Privathaftpflichtversicherung absichern, das geht über den Zusatzbaustein Schutz im Ehrenamt / Tierheim. Zwar haben einige Organisationen ehrenamtliche Helfer mitversichert, selbstverständlich ist dies jedoch nicht.


Hund entlaufen, Katze weg: Das Haustier wiederfinden

Der Hund ist entlaufen? Die Katze seit Tagen verschwunden? Ein Alptraum für jeden Tierfreund! Tierheim-Leiterin Karen Schönbrodt erklärt, was man tun kann, um sein vierbeiniges Familienmitglied wiederzufinden. Versicherungskaufmann Sascha Homann erläutert, inwiefern man für Schäden der ausgebüchsten Haustiere haftet.

1 Die richtige Vorsorge treffen: Hunde und Katzen chippen lassen

Im Idealfall sorgt man als Hunde- oder Katzenhalter vor: Hunde und Katzen sollten gechippt werden, rät Schönbrodt, Leiterin der Reinbeker Tierrechtsorganisation Einhorn e. V., das Chippen kostet 20 oder 30 Euro, ist nicht schmerzhafter als eine Spritze, aber hilft ungemein. Anhand der Chips könne man Fundtiere sofort identifizieren. Andernfalls sei das schwierig: Es gibt in jedem Tierheim hunderte schwarzweiße oder getigerte Katzen. Eine Beschreibung am Telefon hilft oft nicht weiter, so die Fachfrau. Auch würden verunfallte Tiere oder Fundtiere nicht unbedingt immer im nächstgelegenen Heim unterkommen. Abhängig davon, wo es aufgefunden und bei welchem Tierarzt es behandelt wird, werde es anschließend oft ganz woanders untergebracht.

2 Kastrierte Katzen laufen nicht so weit weg

Katzen brauchen Freiraum und tigern gerne durch die Nachbarschaft. Wenn man Kater kastriert und Katzen sterilisiert, laufen sie nicht so weit weg, erklärt Schönbrodt, das minimiere das Risiko, die Tiere zu verlieren und vergrößere die Chance, sie im Ernstfall wiederzufinden.

3 Verschwundene Haustiere über Haustierzentralregister suchen lassen

Hat man sein tierisches Familienmitglied nicht gechippt und es ist verschwunden, sind Haustierzentralregister eine Option: Tasso ist das größte dieser Register. Dort kann man sein Tier anhand eines Fotos per E-Mail oder Brief registrieren, sagt Schönbrodt. Auch sie und ihre Kollegen hätten öfters bei Tasso nachgefragt, ob Suchmeldungen zu bestimmten Fundtieren vorliegen. Allerdings funktioniere das meist nur, wenn diese außergewöhnliche Merkmale hätten, ansonsten sei die Erfolgschance gering.

Helfer und Hunde im Einhorn e. V.© Tarifcheck.de
Tierheimleiterin Karen Schönbrodt mit Katze Sneakers in der Tierherberge.

4 Nachfragen bei Tierärzten, Tierschutzvereinen, Ordnungsamt und Polizei

Ist das Tier ausgebüchst, soll man auf jeden Fall sämtliche Tierärzte der Umgebung anrufen, genauso wie Polizei, Ordnungsamt und Tierschutzvereine, so die Expertin. Hilfreich sei, seine Telefonnummer zu hinterlassen, falls das vermisste Haustier dort in naher Zukunft abgegeben wird.

5 Zettel aufhängen

Zettel aufhängen ist ganz wichtig, sagt Schönbrodt. Neben einem Foto des Tieres sollten darauf auch die eigenen Kontaktdaten und relevante Informationen zum Tier nicht fehlen. Katzenhalter sollten Schuppenbesitzer auf dem Zettel auffordern, die Schuppentür für ein zwei Stunden offen zu lassen und wegzugehen. Falls dort eine verschreckte Katze drinsitzt, versteckt die sich und man nimmt sie gar nicht wahr. Schließt man die Tür, ist die Katze nach ein paar Tagen verhungert.

6 Belohnung aussetzen oder lieber nicht?

Viele Tierbesitzer setzen auch eine Belohnung aus. Ob das richtig ist, ist allerdings umstritten: Viele sind dagegen. Ich denke auch begründet. Es gibt ja nicht nur nette Menschen. Die Argumentation ist, dass jemand ein Tier klaut, wartet, bis eine Belohnung ausgesetzt wird und auf diese Art schnell 300 Euro verdient. Vielleicht ist das aber auch zu weit hergeholt, so Schönbrodt. Sie selbst sagt aber, sie würde immer eine Belohnung aussetzen, wenn sie ein Tier vermisst.

7 Vogel entfleucht: Einen offenen Käfig mit Futter hinstellen

Vögel wiederzufinden ist ganz, ganz schwer. Auf jeden Fall sollte man in Wohnungsnähe einen leeren Käfig mit Futter hinstellen. Wenn man Glück hat, gehen sie da rein, rät Schönbrodt. Um verirrte Flugtiere zu fangen, nutzt das Tierheim zuweilen echte Lockvögel: Wir versuchen manchmal, Vögel mit dem Gepiepse von unseren Wellensittichen einzufangen und hoffen, dass sie in den Käfig fliegen. Aber häufig sind die so durch den Wind, dass sie einfach nicht kommen.

Tierhalter haften für nachweisliche Schäden des ausgebüchsten Tieres

Beißt ein verängstigtes Tier einen Passanten oder rennt vor ein Auto und provoziert einen Unfall, haftet der Halter mit dem eigenen Vermögen, sofern die Identität von Besitzer und Tier nachgewiesen werden kann, sagt Tarifcheck.de-Versicherungskaufmann Sascha Homann. Die private Haftpflichtversicherung kommt mit dem passenden Tarif für die Schäden von Katzen & Co. auf. Hunde benötigen eine Hundehaftpflichtversicherung, diese ist mancherorts in Deutschland für einige oder alle Hundearten sogar gesetzlich vorgeschrieben.


So beruhigt man Hunde an Silvester

Hündin Nella sucht ein Zuhause© Kristina Vogt - Tarifcheck.de
Die verschmuste, herzkranke Schäferhundseniorin Nella wohnt im Tierheim Einhorn e. V. und sucht ein neues Zuhause.

Raketen, Böller, Feuerwerk: Für empfindliche Tierohren ist Silvesterlärm oft eine Tortur. Tierheim-Leiterin Karen Schönbrodt erklärt, wie man dem Haustier die Angst nimmt.

Karen Schönbrodt hat Erfahrung mit eingeschüchterten Tieren. Viele der Vierbeiner und Vögel, die bei der Reinbeker Tierrechtsorganisation Einhorn e. V. abgegeben werden, sind misstrauisch: Es ist wichtig, dass man sich bei Lärm ganz normal verhält, so tut, als ob nichts wäre und dem Tier zu verstehen gibt, dass es keine Angst haben muss, betont Schönbrodt. Das sei ein Lernprozess für das Tier, mit dem man möglichst früh anfangen solle.

Der Mensch als Vorbild: Das Tier nicht bemitleiden und keine Angst zeigen

Streichelt und beruhigt man seinen Hund, wenn er bei Krach verschreckt reagiert, bestätigt man ihn in seiner Angst: Wenn man Mitleid zeigt, beruhigend sagt: 'Es ist gut!', dann versteht der Hund nicht, das alles in Ordnung ist, sondern: 'Ja, es ist gut, dass Du Angst hast. Das ist eine gefährliche Situation!'

Es hat etwas gedauert, bis ich selbst das kapiert habe, erklärt Schönbrodt, früher habe ich mich auch aufgeregt. Drinnen hatte ich herzkranke und epileptische Tiere und draußen ballern sie rum und finden das auch noch witzig. Aber die eigene Empörung und Angst um die Tiere überträgt sich natürlich und macht alles nur noch schlimmer.

Engagement im Tierheim© Tarifcheck.de

Engagement im Tierheim

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Gewöhnungsprozess: Gelassenheit kann man trainieren

Junge Hunde und Katzen sollte man schon frühzeitig trainieren: Zum Beispiel dadurch, dass man zuhause zu verschiedenen Tageszeiten laute Geräusche macht und sich dabei ganz normal benimmt. Dadurch würden die Haustiere Lärm nicht mit Gefahr assoziieren, rät die Tierheim-Leiterin. Da die Silvesterknallerei schon in der Weihnachtszeit beginne, könne man Hunde und andere Haustiere bereits im Vorfeld durch entspanntes Verhalten auf die Silvesternacht vorbereiten.

Auch wenn die vierbeinigen Familienmitglieder schon älter sind oder in der Vergangenheit Geräuschempfindlichkeit gezeigt haben, kann man die Situation durch normales Verhalten deeskalieren. Als Beispiel nennt Schönbrodt Hundemischling Leo, einen Bewohner des Tierheims: Beim Gassigehen ist in großer Entfernung ein Böller losgegangen, Leo wollte sofort nach Hause. Aber wir gehen dann weiter. Da wird dann auch gar nicht diskutiert, denn es ist ja nichts gewesen. Es gibt keinen Grund, nach Hause zu gehen.

"Seitdem ich selbst kein Mitleid und keine Nervosität mehr zeige, ist das Verhalten der Tiere auch viel entspannter geworden", kommentiert die Expertin.

Beruhigungsmittel sind keine gute Lösung

Viele verabreichen ihren Tieren zu Silvester Beruhigungsmittel. Das sollte man jedoch genau überdenken, so Schönbrodt. Es gibt Sedativa, die dazu führen, dass Hunde körperlich nicht mehr richtig reagieren können, aber alles noch voll mitkriegen. Es ist für die Tiere natürlich noch dramatischer, wenn sie merken: 'Es knallt, ich habe Angst, aber meine Beine sind ganz weich geworden.'

Einzelne Präparate hätten zudem unterschiedliche Nebenwirkungen. Auch berge die Verabreichung von Medikamenten abhängig vom Gesundheitszustand des jeweiligen Tieres verschiedene Risiken: Bevor man seinem Tier ein Beruhigungsmittel verabreicht, sollte man unbedingt mit einem Tierarzt sprechen, empfiehlt Schönbrodt.

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