Eine gute Kita finden: Darauf kommt es an© famveldman - Fotolia.com

Eine gute Kita finden: Kosten, Angebote, Versicherung & Co.

Lebensart von Kristina Vogt 03.03.2017

Was zeichnet eine gute Kita aus? Wann muss man sein Kind anmelden? Und wer haftet bei Unfällen oder Sachschäden im Kindergarten? Wir sprachen mit Silvia Nissen, Leiterin eines Hamburger Kindergartens.

"Zwischen verschiedenen Kitas gibt es große Unterschiede. Bundeslandabhängig variieren Anmeldeprozesse und Kosten für die Kinderbetreuung", erklärt Silvia Nissen. Die von ihr geleitete 'Kita Kurt-Adams-Platz 3' im Hamburger Stadtteil Lohbrügge gehört zu den 'Elbkindern - Vereinigung Hamburger Kitas'; eine Organisation, die 185 der mehr als 800 Kindergärten der Hansestadt sammelt. Allen Elbkindern gemein: diverse Qualitätsvorgaben.

Kita-Checkliste: Welche Kriterien sind wichtig?

"Bei der Suche nach der richtigen Kita sind mehrere Dinge wichtig. Dazu gehören das Verpflegungsangebot, die Bildungsschwerpunkte und die Schließzeiten", so Nissen. Elbkinder-Kitas wären beispielsweise von 6 Uhr morgens bis 18 Uhr abends geöffnet, auch in den Sommerferien. Der Vorteil: eine bessere Koordination des elterlichen Arbeitslebens und Planung der Urlaubstage unabhängig von Schulferien.

Jede Elbkinder-Kita habe eine eigene Küche, der Speiseplan richte sich nach Vorgaben für Kinderessen der 'Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V.'. Dabei würden auch sogenannte Ökotrophologen zu Rate gezogen, Fachkräfte für Ernährung. Auch individuelle Wünsche der Eltern werden berücksichtigt, beispielsweise bezüglich Religion, fleischloser Kost und natürlich auch etwaigen Allergien der Kinder.

Die Erzieher operieren entsprechend der Hamburger Bildungsempfehlungen und integrieren deren sieben Bildungsbereiche: "Auch in diesem Bereich gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern", sagt Nissen.

Wichtig beim Kita-Check:

  • Ausbildung des Personals
  • Bildungsschwerpunkte
  • Verpflegungsangebot
  • Öffnungszeiten

Darüber hinaus ist natürlich auch ein weiteres Kriterium von großer Bedeutung: die Qualifikation der Betreuer, denn schließlich möchte man sein Kind in den allerbesten Händen wissen. "Bei den Elbkindern arbeiten nur pädagogisch ausgebildete Kräfte. Es gibt eine Fortbildungsverpflichtung und für jeden Erzieher sieben Studientage im Jahr. Der Erste-Hilfe-Kurs wird alle zwei Jahre erneuert. Die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses ist hamburgweit Pflicht," erläutert Kita-Leitung Nissen.

Trotzdem sind nicht alle Elbkinder-Kitas gleich: "Die Größe, Auslastung und Ausstattung variiert mit dem Stadtteil", erklärt die Expertin.

Ab welchem Alter werden Kinder in der Kita aufgenommen?

Generell ist eine Aufnahme bereits ab der achten Lebenswoche möglich. "Früher gab es Kinderkrippen und Kindergärten. Heute wird das zusammengefasst", sagt Nissen über das Konzept. Ermöglicht werde die Betreuung bis zum Schulbeginn, in Ausnahmefällen sogar bis zur vierten Klasse – nach Schulschluss versteht sich.

Oftmals werde in Kitas zwischen zwei Altersgruppen unterschieden. Es gebe meist die Einteilung 0 bis drei Jahre und vier bis sechs Jahre. Inwiefern einzelne Kitas alle Altersgruppen aufnehmen könnten, sei jedoch fallabhängig. Bei Bedarf müssten Eltern sich deshalb gezielt bei einzelnen Kitas erkundigen. Auch das Integrationsangebot variiere je nach Kita, selbst bei den Elbkindern. Dafür würde man dann gegebenenfalls Heilerzieher beschäftigen.

Kita-Leiterin Silvia Nissen© Tarifcheck.de
Silvia Nissen leitet die 'Kita Kurt-Adams-Platz 3' in Hamburg-Lohbrügge. Auf der Babywelt-Messe in der Hansestadt beantwortete sie Fragen angehender Eltern.

Einen Kitaplatz finden: Wann muss man sein Kind anmelden?

"Bei einigen Kitas muss man sich bereits anmelden, sobald man schwanger ist, bei anderen reicht es vier bis fünf Monate im Voraus", sagt Nissen. Auch das variiere mit dem Stadtteil und der Stadt.

Haben Eltern es allerdings versäumt, sich rechtzeitig um einen Kitaplatz zu kümmern, kann die Aufnahme nicht immer garantiert werden: "Wenn die Anmeldung zu spät kommt, hängt es davon ab, ob die Kita noch einen Platz frei hat."

Entscheidend sei dabei nicht die Gruppengröße, sondern die Größe der Kita: "Jedem Kind stehen, pädagogisch gesehen, eine bestimmte Anzahl an Quadratmetern zu. Diese ist nach Alter gestaffelt", kommentiert Nissen.

Bei welchem Amt stellt man den Antrag auf Kindertagesbetreuung?

"Auch das ist regional unterschiedlich", so Nissen, "in Hamburg stellt man den Antrag auf Kindertagesbetreuung beim Jugendamt. In Schleswig-Holstein wendet man sich beispielsweise je nach Ortschaft entweder an die Gemeinde oder den Bürgermeister."

Wie teuer ist der Kitaplatz?

Für Kindertagesbetreuung gebe es keinen deutschlandweiten Einheitspreis, erklärt Kita-Leiterin Nissen: "In Hamburg werden fünf Stunden täglich von der Stadt bezahlt. Stellt man beim Jugendamt den Antrag, erhält man den entsprechenden Gutschein." Wolle man für sein Kind weitere Kita-Stunden in Anspruch nehmen, müsse man das selber zahlen. Die Kosten dafür seien entsprechend der finanziellen Situation der Eltern gestaffelt. Gutverdienende Eltern zahlten mehr als Mütter und Väter mit geringem Einkommen. Andere Bundesländer hätten jedoch andere Modelle: "Schleswig-Holstein trägt beispielsweise 38 % der Kita-Gesamtkosten."

Sachschäden, Unfall & Co: Wer haftet in der Kita?

Bei fröhlich tobenden Kindern geht leicht mal was kaputt. Wer haftet also, wenn beim Ballspielen in der Kita eine Scheibe zerbricht, das Lieblingsspielzeug ins Klo fällt oder die Jacke kaputt reißt? Oder schlimmer: Was passiert, wenn sich ein Kind beim Spielen verletzt?

Generell gilt: Kinder unter acht Jahren sind gesetzlich gesehen nicht schuldfähig – es sei denn, die Erziehungsberechtigten haben nachweislich ihre Aufsichtspflicht vernachlässigt. In diesem Fall werden die Erwachsenen zur Kasse gebeten. Bei Individuen im Alter von von mindestens acht Jahren übernimmt die private Haftpflichtversicherung die Kosten für Malheure. Hat man für sich und seinen Nachwuchs keine Haftpflichtversicherung abgeschlossen, muss man selbst in die Tasche greifen. In der Kita ist der Sachverhalt ähnlich: "Wenn das Kind in der Kita etwas kaputt macht, haftet die Kita, das ist über die Aufsichtspflicht abgedeckt", erklärt Nissen.

Wer haftet in der Kita?

  • Die Kita haftet, wenn das eigene Kind in der Kita etwas kaputt macht.
  • Für kaputte / verlorenene Spielzeuge und Bekleidungsstücke ist die Kita nicht zuständig.
  • Bei Unfällen in der Kita, auf Ausflügen oder dem Weg von und zur Kita leistet die gesetzliche Unfallkasse.

Gingen allerdings Kleidung, Spielzeug oder Gegenstände eines Kindes kaputt oder verloren, läge das in der Eigenverantwortung der Mütter und Väter: "Wir sagen Eltern auch oft, dass sie ihren Kindern keine teuren Gegenstände mit in die Kita geben sollen. Früher gab es Versicherungen, die Eltern für solche Fälle abschließen konnten, heute gibt es die nicht mehr."

Verletze sich das Kind in der Kita, sei es über die gesetzliche Unfallversicherung geschützt, "das gleiche gilt bei Ausflügen und dem Weg von und zur Kita. Dieser Weg zählt als Arbeitsweg", kommentiert die Kita-Leiterin.

Was sollten Eltern noch beachten?

Hat das eigene Kind Allergien oder andere Beschwerden, sollten Eltern sich erkundigen, inwiefern das Kita-Personal diesbezüglich geschult ist und welche Medikamente es gegebenenfalls verabreichen darf. Generell sei es wichtig, dass Eltern die Erzieher über alle gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Allergien aufklären, damit genau auf die Bedürfnisse eines Kindes eingegangen werden kann, "wir unterliegen dabei Dritten gegenüber natürlich einer Schweigepflicht", so Nissen.